Afrika! - Äthiopien

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15.07.2008 Gedaref - Aykel
Äthiopien ist eine andere Welt. Bunt, laut, grün, saftig, voll. Unglaublich, wieviele Menschen zusätzlich zu den Autos auf die Straße passen. Ich winke den Kindern zu und begeistertet wird beidhändig zurückgewunken. Ich hatte Bedenken wegen der Regenzeit, ob und wie gut die Straßen passierbar wären, aber hier fahren selbst Tankzüge über die Schotterpisten, die den Regen erstaunlich gut vertragen. Es rüttelt halt mehr als in der Trockenzeit, weil das Wasser doch Rinnen in die Straße wäscht.
Es ist erstaunlich viel Militär, schwer ausgerüstet, unterwegs. Aber ich werde in Ruhe gelassen. In einem kleinen Straßendorf halte ich, bin sofort von zig Kindern umringt. Youyouyouyou! rufen sie und ich spiele mit. Youyouyouyou! Sie lachen. Ich auch. In einer kleinen Bar genehmige ich mir mein erstes Bier seit Wochen. Auch hier bin ich schnell umringt von Neugierigen. Unsere Konversation fällt allerdings mager aus. Das bessert sich, als ein leidlich englisch sprechender junger Mann auftaucht. Mit ihm übe ich unter großem Gelächter meine ersten amharischen Wörter. Danke - batam amasegenallu, das erste Wort überhaupt, entpuppt sich als Zungenbrecher.
Wieder fährt Militär vorbei. Der junge Mann erzählt mir, daß es die letzten Tage ein Scharmützel mit dem Sudan in der Nähe von Shehedi gegeben habe. Aber jetzt sei alles wieder ruhig. Hoffen wirs.
Ein paar Kilometer weiter finde ich ein Schlafplätzchen im Grünen. Entgegen anderer Reiseberichte habe ich meine Ruhe. Es schüttet, was nur herunter fallen kann, ich koche mir (Gemüse, Gemüse, Gemüse, es wird nicht weniger) eine Kleinigkeit, pflege mein Tagebuch und falle in einen ruhigen, tiefen Schlaf.
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16.07.2008 Aykel - Gondar
Am Morgen weckt mich ein Steinchen, das gegen den Truck geworfen wird. Es ist ein kleiner Junge, der darauf wartet, daß sich in dem Fahrzeug etwas tut und Aufmerksamkeit will. Nachdem ich ihm zuwinke und er begeistert zurückwinkt, sitzt er nun vor dem Truck und beobachtet mich.
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Bis auf über 2250m windet sich die Schotterstraße und ich befinde mich mitten in den Wolken. Es herrrscht eine leicht gespenstische Stimmung. Wenn der Himmel aufreißt, beherrscht tiefes, saftiges Grün das Bild. Es ist angenehm kühl, eine Wohltat nach der Hitze der letzten Wochen.
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Am Spätnachmittag erreiche ich Gondar, die erste größere Stadt in Äthiopien. Der Trubel ist durchaus gewöhnungsbedürftig.
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Ich quartiere mich im Goha-Hotel ein. Es liegt hoch über der Stadt, etwas außerhalb zwar, aber dafür ruhig und mit herrlichem Ausblick.
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Für 15$ kann ich in meinem Truck auf dem leeren Parkplatz mitten im Wald campen. Nachts werde ich von einem Guard mit Kalaschnikow bewacht. Daran werde ich mich wohl gewöhnen müssen.
Im Restaurant gibts für wenig Geld (ein komplettes Abendessen mit Getränken für umgerechnet 5 Euro) ein durchaus genießbares Essen, das Personal ist freundlich und bemüht, aber kaum komme ich mit einem hier Urlaub machenden Holländer ins Gespräch, werden wir auch schon ins Bett geschickt. Es ist eben ein staatliches Hotel und um 11 Uhr abends ist Zapfenstreich. Wir nehmens mit Humor, morgen ist auch noch ein Tag.

17.07.2008 - 18.07.2008 Gondar
Ich streife durch die Stadt. Suche Internetcafes auf, alle virenverseucht bis zum Abwinken und mit Übertrragungsraten, die mich an meine 300Baud-Modem-Zeiten erinnern. Aber besser als gar nichts. Innterhalb kürzester Zeit fühle ich mich wie der Rattenfänger von Hameln. Eine stetig größer werdende diensteifrige Meute verfolgt mich und bietet mir vielfältigste Dienste an. 'Umsonst' natürlich. 'I just want to practise my englisch'. Meinetwegen. Auch wenn ich weiß, daß unweigerlich die Rechnung folgt...
Ich besuche den Gemp, den Palastbezirk, an dessen Eingang ein riesiger Feigenbaum steht,
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das Kloster Debre Berhan Selassie mit seinen berühmten Wandmalereien
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und das 'Schwimmbad' des Fasilidas.
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Der Keilriemen kreischt schon wieder. Die Reparatur war doch nicht so wahnsinnig fachmännisch. Also lege ich mich unters Auto und baue das Malheur aus. Die Schraube ist wieder abgerissen. Aber damit nicht genug. Der Schraubenstummel auf der Lagerachse ist verbogen, die Gummilager verdrückt, die Staubschutzbleche fürs Kugellager hinüber. Alles in allem ein ziemlicher Mist.
Ich sende einen Hilfeschrei nach Deutschland und in die UAE. Ich brauche eine Explosionszeichnung des Ganzen. Weiß der Teufel, wie das zusammengebaut gehört. So, wie der gute Mann das im Sudan hingebastelt hat, jedenfalls nicht! Der Support funktioniert. Aus den U.A.E. kommen die Detailzeichnungen von Andi Raum, Thomas Ritter bringt sie in eine Form, daß ich sie im afrikanischen Internetcafe auch innerhalb meiner Lebensspanne herunterladen kann, ein Taxifahrer bringt mich im Souk von Shop zu Shop, wo ich eine Gewindestange samt Muttern erstehe, sie bei einem Schmied (der eine Drehbank dastehen hat, von der manche in Dettenheimn träumen dürften...) schweißen lasse und so gerüstet mich wieder unter die Karre zwänge. Manchen Ingenieur sollte man den Rest seines Lebens seine Schandtaten ausbaden lassen, indem man ihn zwingt, an seinen Kreationen zu arbeiten. Ich schürfe mir beide Hände bis zum Ellbogengelenk auf, wei l man an das Teil  nicht rankommt. Ich fluche wie ein Bürstenbinder. Und baue das Teil dreimal ein- und wieder aus, weils immer noch nocht stimmt, das Lager heißläuft, es sich wieder verzieht. Aber nach dem dritten Anlauf paßt es. Mein Bier habe ich mir heute wirklich verdient.
Am Abend gehe ich mit meinem Taxifahrer noch aus. Er zeigt mir ein paar Musikbars in der Stadt. In einem 'traditionellen Pub' singt eine Azmari (fahrende Sängerin) zu Trommeln und Masinko (eine einsaitige Geige). Sie tanzt den Iskista und lächelt mir zu, während sie singt. Warum, ist mir dann schnell klar. Ihr fällt jede Menge Blödsinn zu dem grauen, langhaarigen Typen ein. Das, was mir übersetzt wird, reicht mir schon. Aber es ist ein Heidenspaß. Nur als sie dann auch noch mit mir tanzen will, winke ich ab. Das Gezucke - da werden Schultern und Oberkörper in einem Affenzahn vor- und zurückgeworfen - tu ich mir nicht an!

19.07.2008 Gondar - Simien Nationalpark
Mehr als 300km Schotterpiste sind es bin in die Simien Mountains. Da hört man manchmal Dinge am Auto, die, hört man genau hin, wieder weg sind. Ein Quietschen - allerdings nur in scharfen Linkskurven, und nur in den ersten Gängen - hier, ein Schlagen dort, die 16.00 Reifen wobbeln in bestimmten Geschwindigkeitsbereichen, daß man Mitleid mit der kompletten Mechanik des Autos bekommt. Ich glaube, daß, je weiter man sich von der nächsten Werkstatt weg weiß, das Gehör immer feiner und die Einbildung immer stärker wird.
Ich habe Berichte über aggressiv bettelnde, steinewerfende Kinder bekommen. Freunde von mir sind mit großen Steinen beworfen worden, ihr Fahrzeug wurde erheblich beschädigt. Nun, vielleicht reise ich unter besonderem Glück. Ich treffe auf Kinder, die "Birr, Birr" rufen, die Hände ausstrecken, hinter dem Fahrzeug herrennen, fordern. Aber immer, wenn ich winke, ihnen zeige, daß ich glücklich bin, in diesem Land zu sein, habe ich den Eindruck, sie vergessen ihr Ansinnen und winken zurück. Lachend. Strahlend. Meine Bedenken verschwinden und ich freue mich auf das nächste strahlende Lachen, das Faxen machen am Straßenrand, wenn ich wieder auf eine kleiine Gruppe ziegenhütender Kinder stoße.
Einmal sehe ich im Rückspiegel, wie ein einzelnes Kind tatsächlich einen Stein aufhebt und wirft. Ich mache eine Vollbremsung und setze zurück. Mit mir nicht! Blitzschnell verschwinden sie in die Hügel. Und es bleibt bei einem Stein, der nicht getroffen hat. Ansonsten immer wieder 'welcome, welcome to Ethiopia!'. In den Ortsdurchfahrten sehe ich 'thumbs up' von den kickernden Jungs, scheues Lächeln der Mädchen, zögerndes, wie nach einer Schaltsekunde einsetzendes Lachen und Winken der erwachsenen Männer und Frauen. Hier fahre ich grundsätzlich mit offenen Fenstern, betont langsam und defensiv, bereit, jede Hand zu schütteln, die mir entgegengestreckt wird. Ein 'Hey!' hier, 'Salam' da, dazwischen halbherzige 'Birr!' Rufe, die nach einem Lachen in deren Richtung einem Ausdruck von Freude weichen. Ich fühle mich sauwohl.
Ich verpasse beinahe den Abzweig in den Simien National Park. Es scheint unmöglich, daß da, wo sich augenscheinlich tausende Leute tummeln, ein Weg sein soll. Aber der Wegweiser ist unmißverständlich. Auch meine T4A Karte meint, der Abzweig sei hier. Es ist Markttag in Debark. Ziegen, Schafe, Rinder, Waren, Menschen, dicht an dicht, ein Durchkommen erscheint unmöglich. Aber im Zeitlupentempo geht es. Vor mit teilt sich die Menge, Esel, die in ihrer Störrigkeit einfach stehenbleiben, werden schmerzhaft ermuntert, den Weg auch freizumachen, hinter mir schließt sich das Meer wieder. Auch hier neugierige Blicke, 'thumbs up', Lachen. Keiner ist ungehalten, weil ich hier quer durch den Markt fahre. Scout-Angebote lehne ich ab - ich will erst morgen in den Park, heute einfach nur in die Nähe, schlafen, morgen sehe ich weiter.
Nach etwa 30km stoppt mich ein über den Weg gespanntes Seil. Es ist der Parkeingang. Ich werde nach meinem Ticket gefragt. Mist. Ich habe keins. Weder in Debark noch auf dem Weg hierher habe ich ein Ticket-Office gesehen. Nach kurzem Palaver ist eine schnelle Lösung gefunden. Der Mann ruft (nachdem ich ihm versichern mußte, für die Telefonkosten aufzukommen) in der Parkverwaltung an, meldet mich telefonisch an, kassiert den Eintrittsbetrag (alles in allem etwa 30$), rennt ins Haus, um Schlafsack, Proviant und Waffe zu holen und schon sitzt er neben mir im Auto. Ich hätte Glück, sagt er, er sei ein wirklich guter Scout. Früher Scout, jetzt Wächter. Ich schaue skeptisch auf seine Waffe, die zwischen uns - nicht ganz auf mich zeigend zwar - an der Motorabdeckung lehnt. Ob das nötig sei? Aber natürlich! Zu meinem Schutz!
Ich ergebe mich in mein Schicksal, er wirkt auf mich aufrichtig.
Nach weiteren 20km über steile Schotterstrecke erreichen wir die 'Lodge'. Auf 3.200m das höchstgelegene Hotel Afrikas. Ein beeindruckendes Projekt eines Engländers und Äthiopiers, das Hotel fügt sich mit Art und Baumaterialien in die Landschaft, man nutzt Solarenergie, klärt das Abwasser, ist um einen hohen Standard bemüht. Die Preise sind happig, aber für 100 Birr kann ich auf dem Parkplatz in meinem Truck übernachten.
Wir fahren noch weitere 20km bis zum ersten Camp. Auf dem Weg dorthin passieren wir eine Affenherde. Es sind die ersten freilebenden Affen, die ich meinem Leben sehe. Sie werden hier Geladas genannt und ernähren sich von - Gras! Vegetarische Affen - wer hätte das gedacht! Mein Scout fordert mich auf, mich den Affen zu nähern, er könne leider nicht mir - sie kennen ihn und laufen vor ihm davon. Wahrscheinlich wegen seinem Schießgewehr. Tatsächlich lassen mich die Affen bis auf wenige Meter an sich heran.
Wenig später sehen wir im Nebel Cliff-Springers, eine endemische Art. Ich werde hellhörig. Woher er das weiß, frage ich meinen Guide. Er grinst. Er hat in Adis Ababa studiert. Das paßt zu seinem hervorragenden Englisch.
Seine Kontaktdetails: Zegeye Tefera, Simien National Park, Debark, Mobile 0918731393.
Am Abend sitzen wir in der Hotel-Lobby und sehen eine eindrucksvolle Dokumentation über die Geladas an. Sie schlafen an senkrechten Felswänden, um so vor Hyänen geschützt zu sein. Als mir dann Zegeye noch erzählt, daß auch Leoparden durchs Gebiet streifen, ist mir der Gedanke an sein Gewehr nicht mehr ganz so unangenehm.
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20.07.2008 Simien Nationalpark. - nördlich von Adi Ar Kay
Morgens um 6 Uhr klopft Zegeye an meinen Truck. Ich habe schlecht geschlafen, hatte Kopfweh, wahrscheinlich wegen der ungewohnten Höhenlage, die paar Bier gestern abend mit Zegeye und dem Hotelmanager können es nicht gewesen sein. Es ist kalt. Sehr kalt. Im Truck hat es wenigstens noch 17 Grad - in der Höhe funktioniert meine Dieselheizung nicht (auch eine Meisterleistung deutscher Ingenieurskunst, wer braucht auch schon über 3.000m eine Heizung - es gibt ja auch kalte Flachlandgegenden), aber draußen herrschen klamme 6 Grad. Ich bin in Afrika! Im Sommer! Keine 1.500km vom Äquator entfernt! Zegeye hat im Freien geschlafen. Im Sitzen. Nur mit seiner Jeans, seiner Jacke und seinem Umhangtuch bekleidet. Er hat eiskalte Hände. Aber er grinst. Wir hatten ausgemacht, früh zu starten, um die kurze Zeit zu nutzen, in der während der Regenzeit die Gipfel frei sind.
Er führt mich zu einem Wasserfall. Ich weigere mich, ihm über die schmale Mauer zu folgen, um den Wasserfall besser sehen zu können. Mir reicht der Blick durch die Bäume. Ich habe unvorstellbare Höhenangst. Einmal über die Mauer, komme ich unter Umständen nie wieder zurück!
Bis auf 4.300m windet sich die Schotterpiste. Kein Problem für meinen Maxl. Aber ich spüre die Höhe deutlich. So ein ganz leichtes Schwindeln im Kopf. Und wenn ich dann Zegeye folgen soll, der behende wie eine Gams die Hänge hocheilt, fehlt mir jeglicher Atem. Aber ich halte mich wacker. Bis etwa 4.000m herrscht dichter Nebel, darüber strahlender Sonnenschein, aber man sieht die Wolken bereits wieder aufziehen. Es ist noch nicht einmal 10 Uhr.
Wieder habe ich Glück. Zegeye erspäht eine Herde Ibex, abessinische Steinböcke (Richtig! Ebenfalls endemisch!)
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Wenig später gibt es einen regelrechten Wolkenbruch. Es stürmt und hagelt und wird noch kälter als kalt. Wir beschließen, nicht noch eine weitere Nacht frierend zu verbringen und die Noch-Existenz der Wege zu nutzen, um ins Tal zu kommen. Selbst die Ziegen kuscheln sich in dem Wetter aneinander und suchen auf einem handbreitgroßen Sims Schutz vor der Nässe. Innerhalb kürzester Zeit schwellen Rinnsale zu reißenden Strömen, metertiefe Gräben werden ins Erdreich gerissen, Bäume, selbst Felsen werden mitgeschwemmt. Es ist furchtbar zu erleben, wie zerstörerisch Regen sein kann.
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Ich verabschiede mich von Zegeye, er ist ein wunderbarer Mensch!
Mein Reiseführer warnt, daß eine Durchfahrt von Gondar nach Axum nicht immer problemlos möglich sei. Nach so einem Regenguß kann ich mir das gut vorstellen. Trotzdem nehme ich den Wolkefit-Paß in Angriff. Und werde mit atemberaubenden Ausblicken, waghalsigen Passagen und einer phantastischen Landschaft belohnt.
Erst etliche Kilometer später ist für heute Schluß. Wie kommt man auf die Idee,  mit vollbeladenem Lkw (natürlich kein Allrad) und Anhänger auf lehmiger Piste Bergstrecken zu fahren?  Ich suche mir ein Plätzchen im Grünen und nach dem obligatorischen Bestaunt-werden, Winken, Händeschütteln habe ich für den Rest der Nacht meine wohlverdiente Ruhe.
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21.07.2008 nördlich von Adi Ar Kay - Axum
Es sind noch etwa 30km bis zur Grenze nach Eritrea. Und überall finden sich Relikte aus kriegerischen Auseinandersetzungen.
Das Land wird flacher, hügelig. Ich komme aber immer langsamer voran. Die letzten 30km bis Axum treiben mich schier in den Wahnsinn. Das ist keine Straße, kein Feldweg, sondern eine durch und durch böse Aneindanderreihung von Löchern unterschiedlichsten Ausmaßes. Es wird eine neue Straße gebaut, da leidet die Wartung der alten etwas.
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In Axum angekommen, werde ich von einem jungen Mann angehalten. Er bietet mir seine Hilfe an. Warum nicht? Ich suche einen Schlafplatz. Kein Problem, meint er, er kennt ein Hotel, da steht oft ein Truck und die Overlander würden dort auch oft nächtigen. Außerdem sei es gleich um die Ecke, ob er es mir zeigen darf? Klar! Und schwupps - sitzen zwei von den Burschen auf dem Beifahrersitz.
Das Hotel Genet, in das sie mich dirigieren, ist tatsächlich nur ein paar hundert Meter die Straße zurück, nahe der Piazza, an der sie mich aufgelesen haben, gelegen. Die Jungs öffnen eine enge Hofeinfahrt - mir kommen Zweifel. Die Straße ist relativ eng, die Hofeinfahrt nur Zentimeter breiter als mein Truck. Aber ich zirkle mein Monster hinein. Ich lasse das wilde Gestikulieren der Buben unberücksichtigt und verlasse mich allein auf meine Spiegel, mein Gefühl und meine Rückfahrkamera, die mir hier beim Zurückstoßen wirklich wertvolle Hilfe leistet. Die Aktion verleiht mir Respekt. You are a very good driver.
Der Hof ist sauber. Die Zimmer karg und klein wie Gefängniszellen. Auf das Duschen würde ich hier verzichten. Und der Anblick der Toiletten löst psychosomatische Verstopfung aus. Das ist echt hart. Pro Nacht verlangt man 100 Birr. Das ist Wahnsinn. Laut meiner Reisebibel kostet das Zimmer hier nur 80. Wobei ich lieber 100 Birr zahle und im Truck schlafe als mich womöglich auffressen lasse. Die Preise seien gestiegen und schließlich sei das hier Axum und außerdem sei Hochsaison. Ich bekomme einen Lachkrampf. Aber meinetwegen. Den Truck jetzt wieder rauszuzirkeln wegen der paar Birr ist mir zu dämlich, um die Ecke wirds nicht billiger, ich bin froh, einen Schlafplatz zu haben und will jetzt nur noch ein Bier. Also lade ich die beiden Jungs ein und bekomme eine Menge über Tigray, Axum und das Leben erzählt.
Am Abend mache ich mich alleine auf, die Stadt zu erkunden. Schlendere durch die Gassen, die Hauptstraße hinauf und wieder herunter, es gibt unzählige Bars, Cafes, Barber (vor denen muß ich mich hüten), Fotoläden, Musik- und Souvenirshops. Nur ein Restaurant, das mir zusagt, ist nicht dabei. Das vielgepriesene Axum Hotel ist nicht zu finden - dort gäbe es ein wunderbares Restaurant, verpricht meine Reisebibel. Später erfahre ich, daß es wegen Renovierung geschlossen ist. Das Hotelrestaurant, für das ich mich schließlich entscheide, ist ein Reinfall. Jamei, man kann nicht immer Glück haben. Auf dem Nachhauseweg mache ich noch Halt in einer kleinen Hotelbar, aus der afrikanische Musik schallt, trinke ein paar Bier und lese etliche Seiten über Axum, um für morgen gerüstet zu sein, schließlich ist Axum für gläubige Äthiopier das, was für die römisch-katholische Gemeinschaft Rom ist.
Als ich zahlen will, haut es mich vom Hocker. 200 Birr ruft der Kellner für die drei Bier auf. WHAT? entfährt es mir. Das ist locker das 10-fache des normalen Preises. Ein älterer Mann neben mir am Tisch spricht mich ganz ruhig an und sagt zu mir leise "no, no, 6 Birr per beer". Ich zücke 20 Birr, lege sie auf den Tisch, lache den Kellner an und gehe. Es gibt keinen Protest.
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Am nächsten Tag holt mich Efrem wie ausgemacht am Truck ab. Er stellt sich als fachkundiger, begeisternder Führer heraus, der mir Hintergründe, versteckte Schätze und "sein" Axum zeigt.
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Und wieder ist mir das Glück hold.
In der neuen Kathedrale liegt heute ein angeblich 1000 Jahre altes Buch aus, das mir enthüllt und begeistert gezeigt wird. Ich darf selbst durch die Ziegenleder-Seiten blättern und die unglaublich farbenfrohen Bilder bewundern.
Der Mönch, der sein Leben lang die Bundeslade mit den 10 Geboten in der naheliegenden Kapelle bewacht, ist heute im Freien. Kommt nicht oft vor, meint mein Führer.
Ich darf in die alte Kathedrale, bekomme eine 'Spezialführung'. Aber es ist sehr interessant. Unzählige Heilige wollen erklärt werden, die eine oder andere Geschichte erkenne ich. Aber hier ist der Mythos lebendig.
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Vor der Kathedrale wurden die Kaiser gekrönt und gesalbt. Und ihnen ein Versprechen abgerungen, eine Kirche zu bauen. Selbst Haile Selassie hats getroffen.
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Die Kanonen, die zur Kaiserkrönung abgefeuert werden, sind nicht mehr so oft im Gebrauch und verschwinden langsam unter Gerümpel.
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Mit einem Taxi lassen wir uns die ausgewaschene Rumpelstrecke zu den nördlichen Denkmälern, zur Stele des Königs Ezana (mich beeindruckt vor allem die Tatsache, daß die Stele Inscrhiften in drei Sprachen trägt: Altsüdarabisch, Altäthiopisch und Griechisch - internationaler als das Meiste heute) und etlichen weiteren Königsgräbern schaukeln. Ich würde das als Taxifahrer ablehnen. Der Wagen setzt alle paar Meter auf irgendeinem Felsbrocken auf. Und mehr als dreimal schafft diese Strecke kein Autoreifen.
Einem kleinen Mädchen, das die ganze Zeit neben dem Auto herläuft und mir kleine Kreuze an bunten Schnürchen anbietet, kaufe ich schließlich für 5 Birr so ein Teil ab. Für mich taugt es allerdings nur als Ohrgehänge (was für Lachanfälle sorgt), mein Kopf ist zu groß für das Bändchen, aber das hier ist allemal besser als betteln und soll auch belohnt werden.
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Im Westen der Stadt besuchen wir den Palast von Dongur. Beeindruckend die Fertigungstechnik der Mauern, die sich unverändert bis heute bewahrt hat. Die 'Dusche' der Königin von Saba kann mir leider nur von meinem Führer demonstriert werden. Schade.
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Abends streifen wir durch die Bars Axums. Es sind unzählige. In Efrems Lieblingsbar lerne ich schließlich unter großem Gelächter das Schultern- und Kopfwerfen, das Brustschütteln und alles, was sonst noch zu einem echten tigrischen Tanz gehört. Der Abend findet kein Ende. Jeder will mit mir tanzen und mir noch einen Trick zeigen. Es wird früher Morgen, bis ich, geschwächt durch Marathon-Tanz und Bier, gestärkt durch gekochte Eier, die ein kleiner Junge durch die Bars streifend weit nach Mitternacht verkauft, ins Bett falle und mich wilden Träumen überlasse.
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23.07.2008 Axum - Adigrat
Efrem bietet an, mich zum Kloster Debre Damo zu begleiten. Es liegt etwas abseits meint er, und die Mönche sprächen kein Englisch. Mir ist es recht, er weiß wirklich viel, kennt Land und Leute und ist in vielen Situationen hilfreich. Tatsächlich stellt es sich als gar nicht so einfach heraus, das Kloster zu ereichen. Man sieht es zwar kilometerweit, aber die Zufahrtsstraße wird neu gebaut, die alten Routen, die Efrem kennt, gibt es nicht mehr. Nach mehreren Fehlversuchen über schlichtweg unpassierbare Wegstücke hält uns ein Knirps an: "Debre Damo? Debre Damo?". Er zeigt uns den Weg. Stolz klettert er in den Truck und nimmt auf der Mittelkonsole Platz. Wir folgen einer frisch planierten Piste und stehen plötzlich vor einem meterhohen Wall quer über die Straße. Man sieht Dieselruß und schwupps - ist der Wall wieder einen halben Meter höher. Ein Caterpillar schiebt von der anderen Seite Erdreich zusammen. Wieder nichts, denke ich, aber der Knirps insistiert, hier geht die Straße lang. Tatsächlich bewegt sich nach ein paar Minuten der Wall und der Caterpillar bricht eine Schneise. Wir dürfen weiter. Der Kleine dirigiert mich bis in eine Gruppe Häuser - wir sind da - das Kloster über uns uneinnehmbar auf einem Tafelberg.
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Mit einer ganzen Horde Jungs, die uns begeistert empfangen, steigen wir hoch bis zum 'Eingang' des Klosters. Eine 15m hohe senkrechte Felswand trennt mich davon. Sie ist an einem Seil zu erklimmen. Wie bitte? Das meinen die doch nicht ernst, oder? Doch, doch, Schuhe ausziehen, das dicke Seil in die Hände und dann mit den Füßen in die kleinen Felslöcher und immer schön festhalten. Mir wird ganz anders. Aber umkehren kann ich jetzt auch nicht. Komm schon, die alten Mönche schaffen das auch, trietzen sie mich. Also greife ich zum Seil und wage zitternd den Aufstieg. Immerhin bekomme ich eine Sicherungsschlinge angelegt. Der Mönch oben paßt auf, daß ich nicht abstürze. 3m, 5m, meine Arme tun weh. Winkel verkürzen, Gewicht mehr auf die Beine, denke ich. Das hilft ein bißchen, schränkt aber die Sicht ein, um Haltepunkte für die Füße zu suchen. Auf was habe ich mich da bloß eingelassen. Das schaffe ich nie! Rasten ist nicht, mit den Händen am Seil hängend gibt es keine Entlastung für die Arme. Also weiter. Ich schwitze, meine Arme zittern, "more right, more right" schallt es unter mir. Ja wie denn? Am Seil hängend quer zum Hang? Wenn die Arme lang werden, habe ich verloren, einen ganzen Klimmzug schaffe ich jetzt nicht mehr. Noch ein paar Meter, aber zum Schluß werden sogar die Zentimeter lang. Das ist doch Wahnsinn! 
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Ich möchte mich nur noch zitternd und keuchend auf den Boden schmeißen. Die Jungs kommen wie die Gemsen innerhalb von ein paar Sekunden ohne Seil oder gar Sicherung die Wand hochgespurtet. Es sieht aus wie ein Kinderspiel. Immerhin entschädigt das alte Kloster völlig für die Mühe.
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Der Abstieg fällt deutlich leichter, auch wenn mir schwindlig wird, als ich durch den kleinen Ausstieg in die senkrechte Wand soll. Aber ich fühle mich nicht zum Mönchsein geboren und entscheide mich gegen das Bleiben für den Abstieg.
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Ein älterer Mann, der hier ein paar Kanister heiliges Wasser geholt hat, um damit seine kranken Kindern zu heilen, bittet um eine Mitfahrgelegenheit nach Adigrat. Natürlich nehmen wir ihn mit. Über 40km Schotterstraße geht es durch wilde Landschaft, spektakuläre Schluchten, immer wieder durch Caterpillar-Schiebungen gestoppt, Adigrat entgegen. Das Städtchen wimmelt nur so vor UN-Angehörigen. Militärische Beobachter überall, unzählige UN-beschriftete Toyota Landcruiser mit riesigen Funkantennen bevölkern die Straßen. Es herrscht Verkehr wie seit langem nicht mehr.
Wieder hilft uns ein Bursche, nachdem wir zum zweiten Mal an derselben Stelle vorbeikommen, einen Schlafplatz suchend. Er lotst mich durch enge Straßen in ein zu einem Hotel gehörendes Gärtchen, direkt gegenüber einer UN-Zentrale. Der sicherste Platz in Adigrat, meint er.
Das Hotel gehört einer jungen Frau, sie ist knallhart. 150 Birr will sie für die Nacht. Nein, nicht fürs Zimmer, fürs Parken! Ich versuche, zu verhandeln. Es ist nichts zu machen. Nicht nur die Touristen verderben die Preise. Aber das Restaurant ist hervorragend und verwöhnt mich mit lokalen Spezialitäten. Höllisch scharfes am Tisch in einem irdenen Gefüß über Holzkohle geschmortes Rindfleisch.
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Am Abend ziehen wir wieder um die Häuser. Auch hier gibt es unzählige Bars, in denen fast ausschließlich äthiopische, besser tigrische Musik gespielt wird. Und zwar so laut, wie es die Anlage eben hergibt. Zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Heute wird es allerdings nicht so spät, ich bin geschafft.

24.07.2008 Adigrat - Mekele
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26.07.2008 Lalibela
Ich weiß nicht, ob ich die Stadt mag. Im Moment nicht. Ich bin hier mit Fikadu, auf dessen Hof ich gestern Nacht schlafen durfte.
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Er hat mir angeboten, mich nach Lalibela zu begleiten. Alleine hätte ich angesichts der Straßenbedingungen und der Tatsache, daß ich weit ab von jeder auf der Landkarte eingezeichneten Straße war, aufgegeben. So aber sind wir auf Schleichwegen, durch zum Teil knietiefen Schlamm auf kürzestem Weg nach Lalibela gelangt. Fikadu wird von allen Seiten angegiftet. Die Polizei hält ihn alle 100m auf, will ihn wegschicken. Ich erkläre wieder und wieder die Situation. Wir sollen zum Polizei-Hauptquartier, Fikadu benötigt eine Genehmigung, um mit mir durch die Stadt zu laufen. Dort weigert man sich. Wir können ja im Hotel sitzen, dort sei er geduldet. Ich lade ihn also zum Essen ins Hotel ein, dort sitzen wir und quatschen. Ich gebe ihm Geld und entschuldige mich für seine Landsleute. Er fährt nach Hause. Ich hätte auch gute Lust, dieses verdorbene Nest zu verlassen. So sitze ich jetzt im Truck und versuche, meine Wut niederzukämpfen. Ist Fikadu nicht auch Äthiopier? Gehören die Denkmäler den Einwohnern Lalibelas? Oder deren Polizei? Ist man so geil aufs Geld, daß man jeden Anstand ablegt? Wo ist der Stolz dieses kulturreichen Landes, der "Wiege der Menschheit"? Es macht mich krank, Tourist zu sein und daher mitverantwortlich für so beschämendes Verhalten.
Ich strolle durch die Stadt und meine Ausstrahlung mit ihrer spürbaren Wut macht es tatsächlich möglich, daß ich alleine gelassen werde, niemand spricht mich an. Das ist auch gut so.
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Aber auch Fikadu treibt mich in den Wahnsinn. Bevor ich ihn nach Lalibela mitgenommen habe, habe ich ihn noch gefragt, wie der wieder nach Hause kommt. "No problem" sagt er. Really? Yes, yes, there is transportation. Gut. Jetzt, hier in Lalibela gibt es plötzlich keine öffentliche Verbindung. Er muß ein Auto nehmen. Das kostet 50 Birr. Ich hab solches Nachtarocke zwar satt, aber ich gebe ihm 100 Birr, 50 für das Auto und 50 für seine Dienste. Das ist mehr als angemessen. Zwei Stunden später schleicht er immer noch in der Stadt herum. Ob ich ihn nach Hause bringen mag? Nein, sage ich, er hat das Geld für die Nachhausefahrt. Er will neue Hosen. Nein, sage ich, wir sind quitt. Um 10 Uhr abends klopft er an meinen Truck. Er will ein Hotelzimmer (natürlich in dem Hotel, vor dem ich campe, 150 Birr). Ich werde leicht ungehalten und erkläre ihm, daß er a) Geld hat, sich ein Hotel zu leisten (es gibt auch welche für 30 Birr) und b) es nicht meine Schuld ist, daß er immer noch nicht zu Hause ist. Ja, dann will er jetzt im Truck schlafen. Ich beherrsche mich mühsam, da vergeht sogar mir das Lachen. Das ist einfach zuviel. Er wird sich seinen Schlafplatz im Regen selber suchen müssen.

27.07.2008 Lalibela
Trotz allem beschließe ich, noch einen Tag zu bleiben um mir die Felsenkirchen anzusehen. Vorher will ich allerdings noch in ein Internetcafe, die Bilder mit höherer Auflösung hochladen, da gab es schon Beschwerden. Im Internetcafe sitzt ein Knirps am Computer, er ist der Chef. Und bedient den Computer für mich. Gmail or Yahoo? Keines von beidem, sage ich, ich arbeite mit meinem Stick und den PortableApps darauf. Thunderbird für email und Filezilla für ftp. Der Computer mag den Stick nicht. Es muß erst noch Software installiert werden. Dann bootet der Knirps den Computer zwei mal hintereinander. Die Uhr läuft. Wieviel er denn haben will für die Stunde? Einen Birr pro Minute, meint er. Ich sage nur noch, "that's ridiculous", ziehe meinen Stick und gehe. Andernorts zahlt man etwa 8 Birr pro Stunde. Hier verlangen sie fast das Zehnfache. Und tricksen rum. Die reine Abzocke. Das geht mir dermaßen gegen den Strich, daß meine verehrte Leserschaft leider auf hochauflösende Bilder solange warten muß, bis ich wieder zu reellen Preisen ins Internet kann.
Der Eintrittspreis für die Kirchen hat sich gegenüber meinen Informationen verdoppelt. 200 Birr. Meinetwegen. Der Führer will "für Gruppen von 1-4 Personen" 150 Birr, ab 5 Personen 200 Birr. Geht auch in Ordnung. Der Junge kennt sich wirklich aus. Als dann ein Assistent auftaucht (allerdings erst nach 10 Minuten Führung) , der für seine unschätzbaren Dienste (er trägt die Schuhe von einem Eingang der Kirche zum nächsten) 50 Birr will, platzt mir der Kragen. Ich verlange sofort eine Aufstellung aller weiterer Gebühren, die von mir erwartet oder verlangt werden, sonst verlasse ich das Gelände auf der Stelle, er kann sein Geld vergessen und den Eintrittspreis verlange ich auch zurück. Ich bin zwar Tourist, aber verarschen lasse ich mich nicht. Und es wirkt tatsächlich. Nicht einmal die Priester verlangen später Geld fürs Posieren. (Was sich meiner Meinung nach beides ohnehin nicht so recht fürs Priesteramt schickt).
Das kleine Gewitter hat die Luft gereinigt, wir können fortfahren. Und die Felsenkirchen sind wirklich sehenswert. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Höhepunkt ist die letzte Kirche, in der ich zusammen mit meinem Führer und dem Priester still sitze und die Stimmung der Kirche genieße, später liest der Priester altäthiopische Bibeltexte vor (die außer ihm keiner versteht, aber das macht nichts). Ein sehr schöner Ausklang.
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Weniger schön ist wenig später, daß mein Führer die Gelegenheit nutzt, mich zum Sponsor für sein Studium zu erklären. Ich diskutiere es mit ihm aus und er macht den Fehler, daß er sagt, es sei "difficult", mit Arbeit sein Studium selbst zu finanzieren. Er hat nicht "impossible" gesagt.
Auf dem Nachhauseweg werde ich von einer Gruppe Jungs angesprochen. "Where do you come from?". Mittlerweile müssten es alle im Dorf wissen, denke ich, aber bitte schön: aus Germany. Ah! Oh! Wonderful! Ballack! Ja, ja, Ballack. Den kennen sie alle. Aber er hat gegen Spanien verloren. Ja, ja, trotzdem - Fußball ist wunderbar. Ja? Ja, sie sind das Fußballteam "St. George" von Lalibela. Und sie trainieren fleißig. Sie sind sehr gut. Aber leider ist ihr Ball inzwischen verschlissen. Hier - da ist ein Geschäft, da gibt es neue Bälle. Sehr gut, sage ich, dann geht schnell und kauft einen, sonst verspätet ihr euch mit dem Training. Nein - so hat er das nicht gemeint, sie haben ja kein Geld! Ja sowas! Ob ich ihnen zeigen soll, wie man einen Fußball selbst macht? Selbst aus Lederflicken zuisammennähen? Dann können sie vielleicht sogar ein Geschäft damit machen? Ich seh ihnen an, das ist es nicht, was sie wollen, (ich bin auch ganz froh, wie macht man das?), aber sie dringen nicht weiter auf mich ein.

28.07.2008 Lalibela - Bahir Dar
Naja. Eher ein Tag zum Abwinken. Heute hats mich auch erwischt. Keine 20km außerhalb von Lalibela die ersten ernsthaften Steinewerfer. Die Bettelei ist unfaßbar aggressiv. Da wird geschrieen, die Zähne gefletscht, mit Fingern und Stöcken gedroht und eben mit Steinen hinterhergeworfen. Die ersten Male habe ich jeweils gebremst, zurückgesetzt und so die Bazis in die Büsche gescheucht, stellen tut sich keiner. Dann lernt man dazu. Zum Teil sieht man es den Gesichtern schon während des Zuwinkens an, daß da noch was kommt, oder es wenden sich die Augen ab gegen den Boden, um nach einem Stein zu suchen, manchmal wird er schon sichtbar in der Hand gehalten. Was gut gewirkt hat, sind meine Drucklufthörner. Im richtigen Moment (Stein aufheben, ausholen) betätigt, verunsichert der erhebliche Lärm soweit, daß der Wurf ausbleibt. Das ist keine Bettelei mehr, das ist rohe Forderung bis hin zur Erpressung. Gepaart mit der Wut, die gezeigt wird, ist es so abstoßend, daß es nicht einfach ist, freundlich zu bleiben, wären da nicht vereinzelt auch ein paar freundliche Begegnungen dabei. Die Aggression läßt nicht nach. Bis Bahir Dar geht das so. Selbst mit der Peitsche wird gegen den Truck geknallt. Dies und 250km übelste Schotterpiste (die Regenzeit hat die Straße zur Mondlandschaft entstellt) hat mich heute einfach geschafft.
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Wenigstens ist das Gion Hotel in Bahir Dar recht schön am See gelegen, ich parke mit meinem Truck nah am Wasser, der Preis ist erfreulich niedrig, das Personal freundlich, das Essen ok, und ich genehmige mir jetzt eine Flasche Rubicone. Prost, meine Freunde!
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29.07.2008 Bahir Dar
Na also. Geht doch. Einer der schöneren Tage. Ich habe gestern noch eine Bootsfahrt zu den Inselklöstern am Tana-See gebucht (125 Birr), wache vor Aufregung um 6 auf (ich lerne, ohne Wecker zu leben), um 8 Uhr soll Abfahrt sein, aber es regnet und ist neblig. Das Boot legt erst ab, wenn es aufklart. Ich gehe ins Internetcafe, aber es funktioniert gar nichts. Auch damit lernt man auch leben. Dann halt morgen oder übermorgen oder noch später. Die täglichen Berichte und mein email Austausch laufen sowieso über Satellit (ist zwar teurer, aber ich spare mir jede Menge Ärger mit den Viren in afrikanischen Internet-Cafes).
Gegen 10 Uhr ist das Boot soweit. Bis dahin sind aus der Gruppe von anfänglich 20 Leuten noch Philipp, ein Schwede, und ich übrig. Es wird eine sehr, sehr entspannte Fahrt. Unser Bootsführer nimmt sich Zeit, macht auch mal den Motor aus, damit wir in Ruhe fotografieren können. Sein Englisch ist schlecht, aber er bemüht sich und ist geduldig und freundlich. Er entwickelt echten Ehrgeiz, um uns Nilpferde vor die Nase zu bringen. Aber die Viecher tauchen nur alle paar Minuten auf und schaffen es innerhalb dieser Zeit, durchaus unter unserem Boot hinwegzutauchen und zig Meter auf den anderen, nicht erwarteten Seite wieder Luft zu holen. Trotzdem ist es wunderbar, mit abgestelltem Motor auf dem See zu schaukeln und sich wie Grzimek auf Nilpferd-Pirsch zu fühlen.
Wir besuchen drei Inselklöster. Das erste gefällt mir am besten, einfach weil der Priester so menschlich ist. Der Priester lacht sich halb kaputt, als ich ihm sein Konterfei in der Digitalkamera zeige. Im zweiten Kloster sehen wir zwar das 'Museum' (da lagern in einem Verschlag Schätze, die würde man bei uns der Öffentlichkeit gar nicht zugänglich machen), aber die Kirche ist geschlossen, weil - man höre und staune, heute der Festtag St. Gabriels ist und daher im Kloster gefeiert wird Aber statt wie andernorts besondere Schätze auszustellen oder extra lang zu beten, wird hier in diesem (nur Männer zugänglichen) Kloster eine Party gefeiert! Es gibt Festessen - und Bier! Deshalb haben die Priester keine Zeit, die Kirche zu zeigen. Ich verstehs ja.
Das dritte Kloster ist ein Frauenkloster und es wirkt wie eine Südsee-Idylle auf mich. Das hiesige  'Museum', auch hier sind wieder fast 1000 Jahre alte Bücher, Kreuze und Gewänder ausgestellt, überrascht mit einer Strickmaschine (!), die eine der Nonnen nutzt, um Schals (!) in äthiopischen Landsfarben zu stricken / stricken zu lassen.
Auf dem Nachhauseweg sieht unser Bootsführer wieder ein Hippo und so verbringen wir eine weitere entspannte halbe Stunde auf Nilpferd-Pirsch.
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Am Abend werde ich zu einer äthiopischen Kaffee-Zeremonie eingeladen. Die Behausung ist wie von einem anderen Stern, aber nach kurzer Zeit fühle ich mich total wohl. Es wird Gras auf den Boden gestreut, Blüten darauf verteilt, Popcorn geröstet (wohl eine private Abwandlung), Weihrauch verbrannt, ein Räucherstäbchen angezündet, Kaffee geröstet, und dann dreimal aufgekocht und getrunken. Zuletzt gibt es herrlich gewürzte Injeera. Im Fernseher laufen äthiopische Musikvideos, die ganze Familie ist da, spricht amharisch und amüsiert sich köstlich über mich. Es ist unfaßbar selbstverständlich, daß ich da bin. Superschön!
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30.07.2008 Blue Nile Falls
Wieder habe ich Glück. Wegen eines Turbinenschadens sind drei von vier Turbinen abgestellt und die Blue Nile Falls sind fast wieder das, wofür sie berühmt sind. Das sonst so dürftige Rinnsal, das in dann die Tiefe plätschert, zeigt sich heute als Strom, der zumindest über die halbe Breite der Kante in die Tiefe donnert.
Bei Abstieg stelle ich mich etwas dämlich an und setze mich voll in den Matsch. Aber die Gischt ist ohnehin so stark, daß ich innerhalb weniger Minuten bis auf die Haut naß bin. Wieso ich mit Wanderschuhen mit Profilsohle gegenüber Einheimischen in Sandalen im Nachteil bin, kann  ich mir nicht so recht erklären, aber meine Führerin (wohl die einzige ihrer Art in Äthiopien) bleibt unbeschadet. Sie muß lediglich ihre Sandalen auswaschen, während bei mir ein Vollbad nötig sein wird.
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1.08.2008 Bahir Dar - Adis Ababa
Ich habe vor zwei Wochen den Schlüssel für die Aufbautür verloren und kann nur noch von innen verriegeln (und dann durch das Führerhaus ein- und aussteigen) und - ich kann nicht in meinen Stauraum. Tierfutter, Katzenstreu, warme Klamotten, alles unerreichbar. Also habe ich mir einen Ersatzschlüssel aus Deutschland schicken lassen, er kommt per DHL nach Adis Ababa. Die deutsche Botschaft hat sich geweigert, sich als Adressat für das Kuvert nennen zu lassen ("wir sind doch keine Postfiliale"), aber man kann das Paket ja auch direkt bei DHL abholen. Deshalb muß ich nach Adis Ababa, eine Stadt, die mich sonst wenig reizt.
Die Fahrt führt durch wunderschöne Landschaft, mehr als 1000m geht es abwärts in die Schlucht zum blauen Nil, um auf der gegenüberliegenden Seite wieder auf gleiche Höhe zu klettern.
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Im Ghion Hotel verlangt man, daß ich für ein Zimmer bezahle, um auf dem Parkplatz schlafen zu können. 68 Dollar. Sie seien schließlich ein staatliches Hotel und dies die Regeln. Daß es in Gondar im Schwesterhotel kein Problem ist, für 100Birr auf einem wirklich schönen Fleckchen zu campen, interessiert sie nicht. Da ist sie, die Großstadt, mit ihrer Menschlichkeit.
Das Hotel Bel Air, das mein Führer als Campmöglichkeit ausweist, ist renoviert worden. Der neue Pächter setzt ganz auf  gehobenen Standard mit 'richtigem' Room-Service und Sauberkeit. Sehr schön. Nur will er keine Camper mehr haben. 'We rent rooms, that's our business, not camping'. Schade. Ich diskutiere lange mit ihm über Vor- und Nachteile von 'Camping' vor dem Hotel, er hätte die Traveller schon gerne im Haus, aber eben als Zimmergäste. Das wars dann wohl mit dem Traveller-Treffpunkt Bel Air Hotel. Er verstehts einfach nicht.
Ich verbringe Stunden um Stunden in Internetcafes, um meine Bilder hochzuladen. Vergeblich. Ich schaffe EIN Bild mit 400kB.  Es warten knapp 100. Übertragungsraten und Stabilität der Verbindungen aus Afrika vertragen höchstens Text. Also lade ich wenigstens die kleinen Bilder über meine Satellitenverbindung hoch.

3.08.2008 Adis Ababa - Langano See
Eine Oase der Ruhe nach der Hektik Adis's. Obwohl der See bilharziosefrei sein soll, mag ich nicht schwimmen - ich bin allzu sehr verwöhnt mit sauberem Wasser, das hier ist schlammig, braun, trübe, nur etwas für ganz hartgesottene Naturen.
Die Preisvorstellungen im Restaurant sind leicht übertrieben (in etwas das Doppelte des normalen Preises), die Qualität hält da nicht mit, auch der Service hat noch Potential, sich weiterzuentwickeln, aber man sitzt herrlich auf der Terrasse über dem See und ich habe schnell den Tisch voll mit Gästen einer Hochzeitsgesellschaft. Einer davon ist hin und weg von meinem Truck. Es stellt sich heraus, daß er GfK- und Kohlefaseraufbauten macht, er hat in Adis einen Betrieb mit immerhin 50 Mann, ich soll ihn unbedingt besuchen kommen...
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4.08.2008 Langano See - Agere Maryam
Leider (oder Gottseidank, wie sich später herausstellt) verpasse ich den Abzweig nach Arba Minch und befinde mich schon bei Dila auf einer kleinen Teerstraße, bis ich es bemerke. Es gibt keine passierbare Querverbindung, also werde ich bis Yabelo auf dieser Strecke bleiben, die letztlich nach Moyale führt.
Ich bereue es nicht. Die Landschaft ist herrlich, üppig, saftig grün. Quadratkilometerweise wird hier Tabak angebaut.
In Agere Maryam finde ich ein Hotel, in dessen Hof ich für 50 Birr nächtigen kann. Leider waren die Stromdrähte in der Einfahrt etwas gar niedrig angebracht, so daß sie jetzt erneuert werden müssen. Alle Umstehenden nehmens mit Humor. Der nächste Truck hats dann leichter, falls man nicht wieder dieselben Befestigungspunkte wählt...
Ein kleines, vielleicht 5jähriges Mädchen hat mich zum Freund erkoren und weicht mir nicht mehr von der Seite. Also essen wir zusammen im Truck, sie winkt stolz und begeistert aus dem Fenster ihren Freunden zu, das halbe Hotel steht vor dem Truck und beobachtet uns durch die offene Tür, wie wir kochen und essen. Wie sich herausstellt, ist sie Vollwaise und lebt bei einem alten Mann im Dorf. 
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5.08.2008 Agere Maryam - Key Afer
Richtung Yabelo Nationalpark ändert sich die Landschaft. Ich sehe meine ersten Termitenhügel. Bizarre Gebilde.
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Laut Reiseführer führt eine "kaum befahrbare Piste" von Yabelo nach Jinka und von dort in die Omo-Region, in das "Museum der Völker". Die Straße ist passabel, überhaupt kein Problem. Erst später sollte ich erfahren, daß sie bis vor einem Monat noch gesperrt war, da sich Ethnien eine blutige Schlacht mit mehreren hundert Toten geliefert haben, manchmal werde eben mit Maschinengewehren statt mit rituellen Waffen gekämpft, wenn es einmal wieder zu viele Viehdiebstähle gegeben hat. Speziell Ethnien um Konso seien sehr kampfbereit.
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In Konso will ich noch etwas Proviant fassen und bin sofort von unzähligen Helfern umringt. Alle versprechen ungeahnte Erlebnisse.Mal in besserem, mal in schlechterem Englisch. Ich lasse mich breitschlagen und werde mit einem offen blickenden, weniger forschen jungen Mann handelseinig. Es hat sich gelohnt. Unterm Strich habe ich durch ihn etwa das an Eintrittsgeldern eingespart, was ich ihm zahlen mußte.
Er holt seinen Schlafsack und wir gelangen über eine wirklich kaum befahrbare Piste (es wird ein mehrspuriger Highway nach Jinka gebaut, also wird die alte Straße kaum instandgehalten und leidet darunter doch sehr) nach Key Afer. Es ist dunkel, bis wir ankommen und den Truck in einem kleinen Camp abstellen.
Das Lagerfeuer, das wir machen, lockt unzählige Jugendliche aus dem Dorf an und so sitzen wir bis ins Morgengrauen am Feuer und haben mächtig Spaß.
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6.08.2008 Kay Afer - Mursi Dörfer - Mago Camp
"Nicht anhalten!" meint mein Führer in Jinka. Die Leute in Jinka seien nicht so gut. Ich kann nichts erkennen, wie überall sonst auch winke und lache ich aus dem offenen Fenster und werde so freundlichst empfangen. Erst später kommt mir der Verdacht, daß es daran liegen mag, daß mein Führer ein Konso-Mann ist und sich die Ethnien hier alle nicht so ganz grün sind.
Wild gestikulierend weist er mich durch die Stadt. Auch hier hängen die Stromdrähte abenteuerlich tief. Und obwohl ich aufpasse und Entwässerungsgräben benutze, um Höhe zu gewinnen, passierts. Peng. Ein Draht ist offensichtlich am Motorrad hängen geblieben und jetzt baumelt er traurig herum.
Mir ist egal, was mein Führer meint und ich steige aus. Schnell bin ich umringt und tausend Leute reden auf mich ein. Ich entscheide mich für einen jungen Mann, der englisch spricht und diskutiere die Sache mit ihm aus. Der Mann, zu dessen Haus die Leitung führt, ist nicht aufzufinden, also schlägt man vor, daß wir die Sache auf der Rückfahrt regeln. (So passiert es denn auch, man fordert 200 Birr, aber als ich ihnen vorrechne, daß ich für 20 Minuten Arbeit maximal 20Birr zu zahlen bereit bin, akzeptiert man auch das. So ist die Sache ausgestanden, ich hinterlasse keine schlechten Gefühle und der nächste Truck muß nichts fürchten).
Wir passieren "touristische Mursi Dörfer", wie mein Führer sie nennt. Die Landcruiser aus Arba Minch karren die Touristen nur bis hierher, weil der weitere Weg zu beschwerlich ist und sie Benzin sparen müssen. Wir erklimmen über eine spektakuläre Piste (hoffentlich regnet es nicht, bis wir zurückfahren) eine Hochebene und gelangen über kleinste Feldwege in ein großes Mursi-Dorf.
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Ich parke vor einem Baum - direkt vor mir klammert sich ein Tierchen an ein Blatt und meditiert vor sich hin.
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Es herrscht große Aufregung im Dorf. Man muß "Eintritt" bezahlen und, weil die Menschen hier besonders schön sind, 4 Birr pro Foto. Da kommt eine Menge zusammen. Bei den Preisen will natürlich jeder fotografiert werden und so wird an mir gezogen und gezerrt und auf mich eingeredet, daß mir ganz anders wird. Trotzdem ist die Stimmung ausgelassen und gut, mit einigen kann ich gar Späßchen treiben.
Die Schönheitsideale sind hier (nicht anders als bei uns) gewöhnungsbedürftig, mit Scheibe spektakulär, ohne Scheibe zumindest unpraktisch, wenn nicht gar hinderlich (wie küßt man hier? - Gar nicht!), immerhin ist ein Mann dann schön und wichtig, wenn er Masse hat. (Wenn das so ist, dann kenne ich einige schöne und wichtige Leute auf der Welt). 
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Der Häuptlingssohn ist so ein schöner, wichtiger Mann. Er zeigt mir seine Familie (zwei Frauen und insgesamt bisher 7 Kinder) und verrät mir, wie man Gewicht zulegt. Frisches Blut sei sehr gut meint er verschmitzt und ich bin mir nicht sicher, ob er mich nicht auf den Arm nimmt. 1000 Rinder nennt er sein eigen. Damit ist er locker Birr-Millionär. Und das Land gehört seinem Stamm. Soweit das Auge reicht. Wow.
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Wir lassen es, im Dorf zu schlafen. Es ist möglich, aber die Preise sind äußerst variabel und heute verlangt man dafür zusätzlich zu den 300Birr Eintritt deren 400. Das ist mir bei weitem zu teuer. Also fahren wir zurück und zu einem wunderschönen Camp im Mago-Nationalpark-Headquarter. Der Feldweg zum Camp ist schlecht. Sehr schlecht. Für die 10 Kilometer brauchen wir eine Stunde. Im Camp hängen die Stromleitungen wieder abenteurlich tief. Dasta, man Scout, klettert auf das Dach und sorgt dafür, daß wir nicht wieder für Stromausfall verantwortlich zu machen sind. Ich habe Angst um sein Leben. Auf dem glatten Dach ist er den wilden Pendelbewegungen des Trucks auf der felsigen, steilen Straße hilflos ausgesetzt, aber irgendwie schafft er es, oben zu bleiben und sich nicht von Ästen herunterwischen zu lassen.
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7.08.2008 Mago Camp - Key Afer
Früh am Morgen weckt mich wildes Geschrei. Eine Horde Affen ist aufgewacht und macht einen Riesenspektakel.So sind wir früh auf den Beinen und rechtzeitig zum Markttag in Key Afer zurück. Ein Stamm aus der näheren Umgebung bietet alles mögliche zum Kauf an. Mir gefällt der Aufzug und die Stimmung sehr. 
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Zusammen mit einem Pärchen aus Australien streifen wir abends durchs Dorf, um eine Ziege zu kaufen. Wir wollen zum Abschied ein kleines Festmahl veranstalten. Es wird eine wunderschöne Party, die mal wieder bis in die Morgenstunden dauert.
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8.08.2008 Key Afer - Arbore - Arba Minch
Das australische Pärchen berichtet begeistert vom Krokodilmarkt in Arba Minch, Dasta meint, Arba Minch sei kurzer Zeit zu erreichen, da eine Teerstraße hinführt, also brechen wir zusammen auf.
Manche Hindernisse im Straßenbau erklären, warum es manchmal länger dauert, bis eine Straße fertiggestellt ist. Die Kollegen, die unter dem Felsblock Picknik machen, scheinen sehr sicher zu sein, daß der Kollege oben, der den Klotz kleinhämmert, länger braucht...
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Wir besuchen noch ein Tribe weiter im Süden, Richtung kenianischer Grenze. Auch hier ist die Nachfrage nach fotografiert werden ganz enorm, als Dasta eine Packung Süßigkeiten wirft, bricht gar ein kleiner Tumult aus, aber alles sehr friedlich und immer von Lachen begleitet. Eine sehr schöne, entspannte Athmosphäre.
Auch hier kennt Dasta praktisch jeden persönlich, obwohl er für die Tribes ein Tourist ist wie ich.
Seine Kontaktdaten: Dasta Wakazo, Konso, dastaomo@yahoo.com, tel. 0467730169, mobile 0913384311
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In Arba Minch schaffen wir es auf den letzten Drücker in eine Bank, in der ich Travellerschecks einlösen kann. Es ist Freitag und ich will noch vor nächster Woche nach Kenia und brauche Geld, um noch einmal volltanken zu können. Die Bank ist schon geschlossen, aber für mich macht man eine Ausnahme.
Vom Bekele Mola Hotel hat man eine wunderbare Aussicht auf die Seen im Tal. Camping hier oben ist spottbillig, das Essen gut und reichlich. Ich treffe ein völlig durchgeknalltes amerikanisches Künstlerpärchen, das mir die abenteuerlichsten Geschichten aus Äthiopien erzählt.
Ansonsten ist Arba Minch Ripp-Off pur.Für eine 2-stündige Bootsfahrt soll ich 800 Birr berappen. Das ist die Miete fürs Boot. Es passen 15 Leute drauf. Wenn ich mich darum kümmere, daß weitere Leute dazukommen, wirds pro Person günstiger. Ein prima Business-Modell. Das Risiko trägt der Kunde. Für einen halbtägigen Ausflug in den Nationalpark werden gar 1.200 Birr verlangt - ohne Eintritt. Das steht alles in keinem Verhältnis mehr zur Kaufkraft oder zu anderen Löhnen. Den Vogel abschiessen tut allerdings dann ein Tankwart, der für knapp 300 Liter Frischwasser 100 Birr glaubt verlangen zu müssen. Dazu muß man wissen, daß in Arba Minch Trinkwasser keine Mangelware ist, sondern sogar Grünanlagen bewässert werden können. An deutschen Tankstellen zahle ich für 500Liter Trinkwasser etwa 5 Euro, wenn überhaupt etwas verlangt wird. Hier glaubt man, mir das Doppelte abpressen zu können. Er läßt sich auf 70 Birr herunterhandeln, aber ich lache ihn nur noch aus und verlasse diesen Schandfleck, ohne die Krokodile gesehen zu haben, aber mir reichts wirklich. 
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9.08.2008 Arba Minch - Yabelo
In einem kleinen Dorf auf der Rückfahrt ist Waschtag - ein herrlich buntes Treiben im Fluß.
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10.08.2008 Yabelo - Moyale
Mein Äthiopienaufenthalt neigt sich dem Ende zu. Wir fahren noch gemeinsam Richtung Süden, vorbei an seltsamen Felsformationen. Wir sehen Felstürme, die aussehen wie Gebäude auf einem Berg,
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andere gar wie die Faust Gottes,
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Termitenhügel
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Afrika wie aus dem Bilderbuch
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und einen Kratersee, in dem man Salz gewinnt
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zuletzt gar noch einen Termitenhügel, der ein bißchen aussieht wie eine von Michelangelo gemeißelte Figur.
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Ich bin sehr traurig, Äthiopien verlassen zu müssen. Ich fühle mich hier unendlich wohl und zu Hause.

created: 2008/07/09 by Thomas Waas
last changed: $Date: 2008/10/22 13:58:00 $ by $Author: Thomas $