Afrika! - Malawi

27.1.2009 Mbeya - Lake Malawi / Sangilo Sanctuary Lodge
An der Grenze auf knapp 600m Höhe ist es schwül, sehr schwül. Uns rinnt der Schweiß nur so den Rücken herunter. Die Paßformalitäten sind schnell erledigt, aber das Abstempeln der Carnets dauert. Und die Luft steht im Raum, so daß die Herren Zollbeamten nicht so schnell arbeiten können und jede Menge Pausen brauchen.
Als schließlich alles zeitaufwendig, aber korrekt und soweit problemlos erledigt ist und wir losfahren wollen, werde ich angehalten. Ich muß Roadtax bezahlen. Alles Diskutieren ist zwecklos, ich muß mit in das Büro. Mir wird schwindlig, als ich die Tabelle zu lesen bekomme. Bis zu 600 USD sind für die Strecke durch Malawi zu berappen! Wahnsinn! Der Beamte will schließlich 66 USD von mir. Ich kann ihm den Grenzübergang nach Mosambik nicht benennen, wir wissen es einfach noch nicht, also stellt er mir die Bescheinigung bis Zomba aus. Ich werd's sehen, was es bei der Ausreise dann zu verhandeln gibt.
Der See zeigt sich wolkenverhangen. Am gegenüberliegenden Ufer regnet es heftig, Blitze zucken über den Himmel.
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Schon der erste Versuch, einen schönen Schlafplatz zu finden, erweist sich als Volltreffer. Wir finden eine einsame Bucht mit einer Lodge, in der wir die einzigen Gäste sind, es gibt prima Essen und kaltes Bier, einen kleiner Sandstrand, die Wellen rauschen wie am Meer. Wir sind glücklich und bleiben einen Tag länger als geplant.
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29.1.2009 Sangilo Sanctuary Lodge - Lake Malawi / Chitimba Beach
Nur ein paar Kilometer weiter südlich lockt uns das Chitembe Camp mit WiFi. Hier kann ich endlich meine Website aktualisieren und über hundert emails abrufen. Es dauert ewig, aber schön langsam lerne ich's - ich habe alle Zeit der Welt.
In der Nacht bricht ein Gewitter über uns herein. Es blitzt und donnert und scheppert gewaltig. Direkt neben mir schlägt ein Blitz ein - der Donner läßt Luft, Boden und den Truck beben. Pipo kommt unter die Bettdecke, das ist dem inzwischen ziemlich abgebrühten Kater dann doch zuviel.

30.1.2009 Chitimba Bech - Kande Beach
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Gute 200km weiter südlich machen wir Rast am vielgepriesenen Kande Beach. Schon in Kenia haben uns Leute von dem Camp vorgeschwärmt. Es ist ein Overlander-Camp. Drei Trucks (warum die alle mit englischen Nummernschildern unterwegs sind, weiß ich auch nicht) mit blassen, Sonnenbrand-geröteten Engländern bevölkern das Camp. Ich ahne Schlimmes.
Und es kommt schlimm. Die Burschen saufen wie die Löcher, werden laut und aggressiv, suchen Streit. Einer kommt an unseren Tisch und pöbelt mich an: "Why are you staring at me?". Nun kann ich nicht leugnen, daß ich ihn beobachtet habe, wie er mit einer ihn anhimmelnden Frau an seiner Seite die Umgebung nach etwas Besserem sbscannt. Vielleicht habe ich auch gegrinst, aber angestarrt - Nein. "Because you're looking good", antworte ich ihm. "Oh, so I'm your type?" - "No, you don't look that good!". Ob ich meine Gedanken mit ihm teilen möchte? Nein - ich bin mir sicher, daß er nicht mag, was ich über ihn denke. So geht es hin und her, je ruhiger ich bleibe, desto mehr flippt er aus. Irgendwann hat er mir genug gezeigt, was für ein toller Hecht er ist und läßt mich endlich in Ruhe.
Ein Glatzkopf kotzt und pinkelt an die Umfassungsmauer der Bar. Ich kann nicht anders und schlage vor, daß er doch das WC keine 50m weiter benutzen soll. Keine gute Idee. Er wird ausfällig und geht mir schließlich an die Gurgel. Wir rollen uns im Sand. Das letzte Mal, daß ich so etwas erlebt habe, stammt aus meiner Bubenzeit vor etwa 40 Jahren. Ich verhalte mich völlig passiv - der Testosteron-Junkie bringt mich sonst noch um. Als dann ein paar Askaris mit ihren Schlagstöcken um uns herum stehen, läßt er schließlich von mir ab.
Eine seltsame Art, ein Land zu bereisen. Tagsüber sitzen sie völlig fertig vom vorigen Abend im Truck und lassen sich durch die Gegend schaukeln, abends wird dann im Camp wieder gesoffen, gegrölt und wenn möglich geschlägert, die Musik dazu ist derselbe Kommerz-Mist wie zu Hause, dann fallen sie ins Koma und morgens gehts das Ganze wieder von vorne los. Gut, daß es relativ wenig Plätze davon gibt - und - noch besser, sie sind allgemein bekannt und so kann ich diesen Plätzen des Irrsinns fernbleiben. Das braucht keiner.

31.1.2009 Kende Beach - Senga Bay, Cool Runnings
Bis Cape Maclear ist es mit 420km trotz der perfekten Straßen doch zu weit. Also machen wir Halt in Senga Bay, bleiben im 'Cool Runnings', dessen Beschreibung mir im 'Africa on a Shoestring' sehr gut gefallen hat. Und es ist wirklich ein herrlich grüner, ruhiger Platz. Und es gibt hervorragendes Essen. Nur die Smileys, das Logo der Lodge, sind allzu zahlreich auf allen möglichen und unmöglichen Plätzen aufgeklebt und -gepinselt.
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Zwei Ärztinnen, die in Lilongwe für ein Jahr auf eigene Kosten in einem Kinderkrankenhaus arbeiten, klären uns über die Kindersterblichkeit in Malawi auf. Viele Kinder könnten gerettet werden, wenn die Eltern nicht erst im allerletzten Moment eine Klinik aufsuchen würden.

1.2.2009 Senga Bay - Cape Maclear, Malambe Camp
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Unser nächstes Ziel ist Cape Maclear, ein Kap an der Südspitze des Lake Malawi. Eine kleine Piste führt uns durch Dörfer, in denen wir wie Außerirdische bestaunt werden. Später stellen wir dann fest, daß wir die 'alte' Straße genommen haben - die 'neue', eine überbreite supertoll ausgebaute Teerstraße ist auf keiner unserer Karten verzeichnet und hat den Touristenstrom von den Dörfern wohl seit einer ganzen Weile ferngehalten.
Die Besitzerin des 'Cool Runnings' hat uns eine Lodge am Ende des Dorfes empfohlen, dort gehe es nicht gar so partymäßig zu, aber leider wird die Lodge gerade renoviert und hat geschlossen. Also bugsiere ich meinen Truck durch die engen, sehr engen Sraßen des Dorfes, manchmal entscheiden Millimeter über weiterfahren oder den ganzen Weg zurücksetzen. Das Glück ist mir hold und ich kappe weder Leitungen noch nehme ich Hausdächer mit. Nur die Bäume müssen ein bißchen leiden.
Wir landen in einem kleinen Camp, das von einer Frau aus Simbabwe und einem Engländer geführt wird und fühlen uns sofort zu Hause. Ein Journalist aus Simbabwe, ein Südafrikaner, der in Monkey Bay gerade eine Lodge baut, ein ehemaliger Zirkusartist und Lebenskünstler und ein Ärztepärchen aus England, die hier in Malawi arbeiten sitzen mit uns am Tisch. Die Mischung paßt, es wird ein sehr unterhaltsamer Abend und es wird schön langsam wieder hell, bis ich ins Bett komme.
Unschön ist, daß die Generatorhalterung schon wieder hinüber ist. Bevor wir auf die furchtbare Piste quer durch Mosambik starten, muß sie wieder einmal geschweißt werden. Ja mei.
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19.2.2009 Cape Maclear, Malambe Camp - Lilongwe
27.2.2009 Lilongwe - Tete, Mosambik


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