Afrika! - Tansania I

8.11.2008 Tiwi Beach - Tanga
Afrikanische Grenzen sind immer wieder aufregend. Nicht anders hier am kenianisch-tansanischen Übergang zwischen Lunga-Lunga und Horohoro. Der Customs-Beamte schickt uns erst mal weg, um 'Overtime' zu bezahlen. Das geht ja gut los. Ich bleibe freundlich, mache Scherze, frage aber nach der rechtlichen Grundlage für ihr Begehr. Ich studiere ausgiebig das aushängende Anti-Korruptions-Plakat und frage beiläufig nach dem offiziellen Aushang, der 'Overtime-payment' rechtfertigt. Es kommt Bewegung in die Stube. Das lassen sie nicht auf sich sitzen. Einer der Beamten eilt davon, um die Gesetzesgrundlage beizuschaffen. Derweilen erklärt mir ein Zollbeamter mein Carnet für ungültig. Es ist abgelaufen. Ja, weiß ich - ich habe ein Neues, in das er gerne den ersten Stempel setzen darf. Es gibt ein Problem mit meiner 'foreign registration'. "Here, read with your own eyes, it's valid only until 14.7.2008. You have to pay a fine!" triumphiert er. Sachte, sachte, meine ich, und verweise auf das Ausstellungsdatum, das den 11.08.2008 zeigt. Das kann dann ja wohl nicht mein Fehler sein, oder? Er grummelt. Aber die Roadtax, die ist nur bis Malaba an der ugandischen Grenze bezahlt! Da wird die Strecke von Malaba bis hierher fällig! Nach zähen Verhandlungen einigen wir uns darauf, daß ich die Strecke Nairobi - Lunga-Lunga nachzahle. Er zeigt mir Tabellen, in denen die Distanzen in Kenia aufgeschlüsselt sind, die entsprechende Tabelle für Lkw bis 3 Achsen, ist bemüht, mir zu zeigen, wie korrekt alles abläuft. Schließlich zahle ich 36 USD. Damit komme ich glimpflich davon.
Inzwischen ist der Gesetzestext mit der 'Overtime-Regelung' aufgetaucht. Stolz wird uns ein 20-seitiger Ausdruck präsentiert. 20 bis 40 USD werden da pro Stunde genannt. Wow. Dann wärs gut, wenn sie schnell arbeiten... Da zahle ich die geforderten 200KSh gegen Quittung gerne...
Fabian hat nicht so viel Glück. Bei der Einreise wurde ihm keine Roadtax abgenommen. Jetzt soll er 80 USD Tax und 200 USD Strafe zahlen. Unter den Augen des Anti-Korruptions-Plakates wechseln 10 USD den Besitzer und die Strafe ist vergessen..
Die Piste bis Tanga ist wieder einmal grottenschlecht. Wenig Wellblech, aber unzälige Schlaglöcher machen die Fahrt zur Tortur. Die Fahrerkabine schüttelt, daß mir angst und bange wird. Ratatata-Ratatatata.
Wir beschließen, in Tanga nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu suchen und landen bei "Sepp", einem "Schweizer Bauernbuam" (nach eigenen Angaben), im Kiboko. Ein ruhiger Stellplatz in einem herrlichen Garten und gutes Essen versöhnen uns mit dem Tag.
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9.11.2008 Tanga - Pangani / Beach Crab Resort
Sepp erzählt viel und gerne. Bei manchen Ausführungen müssen wir eher weghören (this is a "Man's Country", sein Frauenbild ist von meinem so weit weg wie der Orion), bei anderen Geschichten biegen wir uns vor Lachen. Er hat die verrücktesten Traveller gesehen und hat eine durchaus bodenständige Ansicht mancherlei Angebern gegenüber. So gab es einen weitgereisten Menschen mit Satellitentelefon, GPS und sonstigem technischen Firlefanz, der ihn über seine GPS-Koordinaten aufklären wollte (wissen Sie denn überhaupt, welche GPS-Koordinaten Sie hier haben? Nicht daß das den Sepp sonderlich interessiert hätte). Mit einem Riesen-MAN-Truck sei der dagewesen, der Angeber. Ich bin ganz still.
Er erzählt fürchterliches über die Strecke, die wir vor uns haben. Die Fähre sei zwar groß genug für meinen Truck, aber wir müßten schon sehr, sehr viel Glück haben, wenn sie denn überhaupt im Betrieb sei. Er habe sie schon mit nur einem Motor über den Fluß 'kreiseln' sehen. Na Super! Aber was solls. Wir wollen's wissen.
Wir fahren Los. Fabian und Carmen voraus. Plötzlich stockt es. Ein Auto versperrt uns den Weg. Und weigert sich beharrlich, den Weg freizumachen. Fabian steigt aus, diskutiert, gestikuliert, aber der Typ bleibt hart. Mir kommt der Verdacht, daß wir eventuell verkehrtherum in einer Einbahnstraße unterwegs sind, kann mich aber an kein Schild erinnern, also was soll der Aufstand. So ist es dann auch. Und der Oberaufpasser vor uns zwingt uns zurück. Ich setze so weit zurück, daß Fabian abbiegen kann, sehe aber nicht ein, mich hier durch enge Gäßchen zu zwängen und fahre die Eingbahnstraße unter großem Protest weiter. Seltsam. Andernorts nimmt man es nicht so wahnsinnig genau, der herzinfarktgefährdete Typ war ein Inder, die Afrikaner auf der Straße sind da eher amüsiert. Mich läßts kalt. Ein Truck hat hier immer recht :-)
Ein paar Kilometer spüter treffen wir uns wieder und setzen unsere Fahrt über schlimme Pisten fort. Es schüttelt und rüttelt und scheppert, daß der Spaß begrenzt bleibt. Nach 60 entnervenden Kilometern erreichen wir die Fähre. Null Problem. Die auf der Karte gelistete 10to Begrenzung ist theoretischer Natur, zusammen mit einem weiteren Truck kann ich problemlos übersetzen.
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Vom Beach Crab Resort trennen uns nun noch nur noch wenige Kilometer. Allerdings muß ich mir einen Weg durch das Gestrüpp bahnen, andere Trucks haben es damit in Zukunft etwas leichter...
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Wir schlagen unser Camp in einem entfernten Winkel des Resorts auf und sind dort völlig alleine. Wieder einmal ein traumhaft schönes Fleckchen Erde nur für uns!
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12.11.2008 Beach Crab Resort
Nachts wache ich auf. Die Wasserpumpe schaltet sich immer wieder für ein paar Sekunden ein. Ich prüfe die Wasserhähne. Alles ok. Irgendwo muß ich Wasser verlieren. Schöner Mist. Also schalte ich die Pumpe ab und schlafe bald wieder ein.
Am nächsten Tag mache ich mich auf die Suche nach dem Leck. Leider sind alle zugänglichen Leitungen und Verschraubungen in Ordnung. Ich höre es tropfen. Schnell ist klar, wo das Wasser herkommt - aus dem Technikfach! Also Tisch abbauen, Fußboden entfernen und schon sehe ich sie, die Suppe. Es ist der Boiler, der Wasser verliert. In knapp 20min ist das Teil ausgebaut. Die Anschluß-Stutzen sind (leider) auch in Ordnung, also entfernen wir einen Teil der Isolierung und schon spritzt uns das Wasser entgegen. Das italienische Qualitätsmodell ist an der Schweißnaht undicht. Nicht zu fassen, bei dem Preis, den die verlangen!
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Alle Versuche, den Boiler mit einem Billig-Baumarkt-Schweißgerät samt verrosteten Elektroden, die uns Alex vom Beach Crab Resort freundlicherweise zur Verfügung stellt, zu schweißen, bleiben erfolglos. Das Loch wird eher größer denn kleiner. Fabian behebt das Problem letztlich mit Flüssigmetall und einem Stück vom Boiler-Mantel. Es sieht gut aus, morgen wollen wir testen, ob es auch dicht ist.
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Zum Abendessen gibt es Fischfilet aus dem Dampfgarer und Nudeln. Mit Zitronen-Weißwein-Soße. Unfaßbar gut, ein Gedicht.
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13.11.2008 Beach Crab Resort
Der Boiler ist dicht. Wir testen ihn im ausgebauten Zustand mit den 2.5bar, die meine Pumpen bringen. Unglaublich, was das Flüssigmetall bringt. Ich baue ihn ein - und kann wieder warm duschen.
Nicht nur das, leider hat das Beach Crab Resort bisher nicht ausreichend Süßwasser, so daß das Duschwasser salzig ist. Da klebt man sofort wieder. Da bin ich mal wieder froh, autark zu sein.

15.11.2008 Beach Crab Resort - Sansibar
Zwei Mädels kommen uns besuchen. Sie suchen Mitfahrer nach Sansibar. Ein kleines Fischerboot (eher eine Nußschale denn ein Boot) würde uns für 120 USD pro Boot direkt von unserem Strand nach Sansibar bringen. Das klingt gut und wir willigen ein, am Samstag nach Sansibar abzulegen.
Ein Pärchen aus Lübeck kommt auch noch mit. Da wir mehr als 4 Personen sind, verlangt der Herr Kapitän 25USD pro Person statt 120USD fürs Boot. Was solls - ich würds nicht anders machen. Immerhin hat er zwei Außenborder, einen 15PS Hauptmotor und einen 8PS Reservemotor. Schwimmwesten? Wir sind in Afrika! Hats hier eigentlich Haie?
4 Stunden später legen wir in Mkokotoni an. Stop - was heißt hier anlegen? Im hüfttiefen Wasser wird der Anker geworfen und wir waten - Kameras und Handys und Papiere und Rucksack usw. knapp über der Wasserlinie balancierend an Land, um uns unseren 'Einreisestempel' im 'Immigration Office' abzuholen.
Das 'Immigration Office' ist eine Lagerhalle, in der Betten gezimmert werden, das hinterste Zimmer belegt der 'Immigration Officer'. Höchst interessiert blättert der durch unsere Reisepässe und findet prompt ein Problem. 'The Payment for this stamp is missing!' triumphiert er und glaubt tatsächlich, mich damit beeindrucken (und Geld abgreifen) zu können. Ich setze ihm auseinander, daß er für den tansanischen Einreisestempel gar nicht zuständig ist, wir sind legal im Land. Sansibar gehört zu Tansania (Tanganyika + Sansibar + Azania) und er darf uns gerne umsonst einen Stempel in unsere Pässe drücken, und wenn er nicht gleich Ruhe gibt mit seinen Geldforderungen, dann können wir das gerne in Stonetown klären. Darüber ist er gar nicht glücklich, schießlich sei Sansibar selbständig. Aber es gelten die tansanischen Einreisegesetze, richtig? Ha! Ich bleibe auch hart, als er alle anderen Pässe abstempelt und meinen liegen läßt. Ich zahle dem korrupten Frechling keinen zweiten Armani-Gürtel, wie er ihn um seinen fetten Bauch geschnallt hat. Da hat er sich heute den Falschen rausgesucht.
Auch mit unserem Herren Kapitän haben wir ein Hühnchen zu rupfen. Ausgemacht war, uns nach Kwenda Beach zu bringen, angelegt hat er etliche Kilometer weiter südlich - angeblich, um uns Gelegenheit zu geben, unsere Einreisestempel (die ohnehin nur Formsache sind) zu bekommen, tatsächlich aber hat er offensichtlich die Gelegenheit genutzt, seine Schwester hier abzuholen und irgendwelche in Säcke verpackte Güter abzuliefern und entgegenzunehmen. In diesem gottverlassenen Ort wollen wir uns aber nicht absetzen lassen und nach zähen Verhandlungen willigt er ein, uns für zwei weitere USD pro Person nach Kwenda Beach zu bringen.
Ein schlechter Start in Sansibar. Aber der Traumstrand, der uns am Kwenda Beachim in 'Kwenda Rocks Bungalows' erwartet, entschädigt für die endlos lange Überfahrt und den Ärger.
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Wir sind auf einem anderen Stern gelandet. Pauschaltouristen bevölkern den Strand, Handtücher kennzeichnen belegte Strandliegen, blaße bis sonnenbrandgerötete, meist weibliche Touristen liegen in der prallen Sonne, sonnenöl-glänzende Haut präsentierend, derweilen sonnenbebrillte obercoole Selbstdarsteller, frisch dem Fitness-Studio entschlüpft, Fußball-Zauberkünste darbieten. Skurril.
Wir genehmigen uns ein Bier (à 3.000 Tsh!!) an der Bar, die Welt schaukelt imnmer noch, da sucht uns der 'Checker' auf. Er sieht aus wie ein italienischer Obermanager, mit Filofax unter dem Arm und er erkundigt sich, ob er uns helfen kann. Kann er - wir brauchen eine annehmbare Unterkunft für die Nacht und wollen Motorräder mieten.
Kein Problem. Eine halbe Stunde später kommt er zurück, hat zwei Suiten à 90USD (alle anderen Zimmer sind belegt) und zwei Motorräder für 35USD / Tag im Programm. 90 USD will keiner von uns ausgeben, aber der Motorrad-Deal (immerhin zwei Honda XL250R!) scheint uns in Ordnung zu sein.
Wir machen uns auf die Suche nach einer Unterkunft. Da heute abend Full-Moon-Party ist (Vollmond war zwei Tage vorher, aber fürs Geschäft ist das unerheblich, das ist hier in Sansibar nicht anders als sonstwo auf der Welt), ist praktisch alles ausgebucht und das günstigste Angebot in einem benachbarten Hotel liegt nur unwesentlich unter dem geforderten Preis. Also sage ich ihm, daß wir für 80USD sein Angebot annehmen. Er verschwindet in der Rezeption, wir müssen außerhalb warten und bekommen die zugegebenermaßen wirklich schönen Zimmer zum gebotenen Preis. Da wären wahrscheinlich noch mal 10USD Rabatt drin gewesen, aber wir sinds zufrieden.
Der Reiseführer (aus der Serie Reise Know How, Tansania) verspricht für die 'Kwenda Sunset Bungalows': "Die Steinofenpizzas könnten sich auch in Sizilien sehen lassen". Also nichts wie hin! Leider halten die Pizzas das Versprechen bei weitem nicht, sie sind lapprig, zu wenig Oberhitze meint unser Lübecker Koch Benjamin und er hat 100%ig recht. Außerdem sind die Damen am Nachbartisch schon recht besäuselt und feiern lautstark und unnachgiebig. Uns fällt auf, daß etwa 90% aller Gäste weiblichen Geschlechts sind, der aufkeimende Verdacht wird verstärkt durch herumlungernde Beachboys, die sich unauffällig den Damen anbieten. Oh je.
Der Weg zurück zum Hotel wird durch einen frisch errichteten Zaun, an dem bereits etliche Leute warten, geblockt. Fabian rauscht an den Kontollettis mit erhobenem Zimmerschlüssel vorbei, sie blicken nur noch verdutzt hinterher.
Wir lassen uns am Lagerfeuer nieder. Nach unendlicher Warterei kann ich endlich ein Bier bestellen. Der Kellner besteht auf Vorkasse. Wie bitte? Zu Hause nicht und hier in Afrika schon zweimal nicht! Ja, der Chef besteht darauf, bei Partys geht es nur so. Weil der Chef seine Leute und die Kasse nicht im Griff hat, müssen die Gäste herhalten und das 'Risiko' tragen. Absurd. Kwenda Rocks? No. Ich gehe.
Der Chef, ein Engländer, kommt hinterhergerannt. So seien halt die Regeln. Ist ja ok, meine ich, aber ohne mich. So gehen wir früh zu Bett und, so glaube ich, wir haben nicht viel verpaßt.

16.11.2008 Kenwa Beach - Stonetown
Am nächsten Tag will man in der Rezeption 6% Aufschlag, weil wir mit VISA-Karte bezahlen (nicht daß das so ohne weiteres möglich wäre, man zeigt zwar ein VISA-Schild allerorten, aber meist ist die 'machine' kaputt). Ich mache einen kleinen Aufstand, der natürlich nichts bringt. Aber da sie USD wollen, ist es unter'm Strich günstiger, als Tansania Shilling per Bankomat zu ziehen und dann in USD zu wechseln.
Aber wir bekommen unsere Motorräder wie verabredet (außer daß uns die Buben mal wieder abzuzocken versuchen, jede noch so kleine Möglichkeit, an Geld zu kommen, wenn der Touri dumm genug ist, wird genutzt) und starten gegen Mittag nach Stonetown.
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Nach wenigen Kilometern stoppt uns die Polizei. Gut, daß ich mir ein 'Permit' besorgt habe (10.000TSh), weil mein internationaler Führerschein im Truck geblieben ist. Ansonsten läuft die Kontrolle sehr korrekt ab. 'Welcome to Sansibar' und wir düsen weiter.
In Stonetown parken wir unsere Mopeds in einer kleinen Seitenstraße und tauchen ein in die engen Gassen der Stadt, lassen uns treiben, essen in einer kleinen Bar einen Happen, bewundern Buben, die sich von der Promenade ins Wasser stürzen,
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bestaunen eine Bootswerft, in der gerade mächtig gestritten wird und enden direkt am Meer in der Mercury-Bar, in der wir uns einen Sun-Downer genehmigen.
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Mein Reiseführer weiß von einem Traumhotel: "...im Dachgeschoss nicht nur einen Blick auf den Ozean, sondern orientalische Genialität. ... lockt Dunia mit einem orignal antiken Sansibar-Bett in etwa 1,50m Höhe, und einem Open-roof-top-Badezimmer...". Ich habe seit Monaten keine Badewanne gesehen und gönne mir die Wonnen.
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17.11.2008 Stonetown - Kimte Bungalows
Wir umrunden die Südküste und tuckern zur Ostküste. Aus den versprochenen 180km Reichweite der Mopeds werden dann 100. Gottseidank hat Fabian die Benzinhähne auf 'Normal' gestellt, so daß ich dann in der Stellung 'Reserve' auch noch weiter fahren kann, als der Haupttank leer ist. Wir landen im Guesthouse 'Kimte Bungalows', ein Tip unseres Motorradverleihers, den wir in Stonetown noch getroffen haben. (Dabei haben wir um einen Tag verlängert, festgestellt, daß mein Reiseführer als Tagesmietpreis für eine 250er Enduro 25USD angibt und schließlich 30USD für einen weiteren Tag bezahlt). Die Strandbar und das Ambiente sind einfach genial und ich entspanne volle Power.
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Das Abendessen allerdings schmeckt wie vom Vortages-Pizzaservice, Fleisch haben sie heute nicht, der Oktopus ist aus Gummi, die Rigatoni Arrabiata, die ich bestellt habe, schmecken wie zweimal aufgewärmt, die Zimmer sind schäbig, die Moskitonetze löchrig, die Moskitos zahlreich, das Wasser 'geht heute nicht' (nicht, daß das schlimm wäre - es gibt weder Seife noch Klopapier) und letztlich wollen sie 40USD pro Person und Nacht. Das ist einfach zuviel.

18.11.2008 Kimte Bungalows - Keys Bungalows
Die endlosen Sandstrände unter Palmen im Ostteil Sansibars sind fest in den Händen großer Hotels. Gruselorte. Zumindest von außen.
In der 'Jozani Forest Reserve' machen wir Rast, besuchen die 'Sansibar Rotkopf Guerezas', wandern durch Mangroven-Wälder und lernen von unserem Führer viel über Naturschutz und den Überlebenskampf der einheimischen Bevökerung.
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An den Kimte Bungalows lassen Fabian und ich 'die Sau raus' und preschen mit unseren Enduros über den Strand. Es macht unglaublichen Spaß. Wir haben Freude wie Kinder.
Hier finden wir auch die ersten Kühe, die ich an einem Strand sehe. Kurz vor Sonnenuntergang beenden sie ihre Strandsession und trotten selbständig ins Dorf...
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19.11.2008 Keys Bungalows - Beach Crab Resort
Captain 'One' holt uns halbwegs pünktlich wieder direkt am Strand der Kwenda Rocks Bungalows ab. Nach den Erfahrungen bei der 'Einreise' schenken wir uns heute die Ausreisestempel samt der dazugehörenden Prozedur. Der Himmel ist strahlend blau, allerdings herrscht eine frische Brise, die für etwas höhere Wellen sorgt. Immer wieder nimmt unser Kapitän Gas weg, um ein Überdrehen des Motors zu verhindern, wenn die Schraube auf einem Wellenberg mal wieder aus dem Wasser ragt. Ein 'Lotse' sitzt am Bug und gibt Zeichen. Wir lernen schnell, daß 'Finger nach oben' eine größere Welle bedeutet und 'Hände über dem Kopf zu einem Dach geformt' eine Vorwarnung für 'richtig naß werden' ist. Nicht nur einmal taucht der Bug des Schiffleins unter. Das Boot rollt und schwankt und schaukelt, aber uns vergeht das Lachen (noch?) nicht. Die Überfahrt dauert endlos lange, da wir Zickzack fahren müssen und die Hälfte der Zeit das Gas weggenommen werden muß.
Nach endlosen 4 Stunden kommt endlich wieder schemenhaft Land in Sicht. Nur noch eine Stunde! Wenn wir Glück haben! Ein Ruck geht durchs Boot und der Kapitän wird hektisch. Was ist jetzt los? Er hantiert mit seiner Angelschnur, eher eine Leine denn Schnur, die er seit dem Ablegen in Kwenda hinter dem Boot herzieht. Ein Monster-Fisch hat angebissen. Aber er verliert ihn leider wieder. Als er die Leine an Bord holt, ist der 3cm weite Haken geradegebogen. Und der Kapitän gar nicht glücklich.
Wir sind dann doch recht froh, als er uns an Land absetzt. Immerhin weiß ich jetzt, daß ich seefest bin...
Am Strand steht ein Ultraleichtflugzeug. Mal etwas ganz anderes! Olaf ist mit seinem Ultralight durch Afrika unterwegs und am Strand gelandet, um Rast im Beach Crab Resort zu machen. Fabian fliegt eine Runde mit ihm, ist danach restlos begeistert und infiziert. Mir ist das Ding (und Olaf, wir nennen ihn später 'Dieter') nicht ganz geheuer und ich schaue lieber zu.
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21.11.2008 Beach Crab Resort - Usambara Mountains / Irente View Point
In den Usambara Mountains gibt es letzte Reste des Regenwaldes. Und einen spektakulären Aussichtspunkt, den wir besuchen. Die erste Nacht verbringen wir direkt am Irente View Point auf der Campsite der dortigen Lodge, die kalt wie ein französischer Skiort wirkt. Deshalb, und weil es dort frisches Brot, selbstgemachte Marmelade und Käse gibt, bleiben wir die zweite Nacht auf der Irenta Farm ganz in der Nähe.
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23.11.2008 Usambara Mountains / Irente Farm - Usambara Mountains, Mazumbai Forest Reserve
Peter, der die Farm betreibt, gibt uns einen Tip, wo wir die letzten zusammenhängenden Reste des Regenwaldes finden können. Die Straßen dorthin werden kleiner und schmäler und enger, als mir lieb ist. Bisweilen fürchte ich, daß kein Durchkommen mehr möglich ist, aber meine Astabweiser leisten hervorragende Arbeit. Die Luft im Wald ist herrlich erfrischend, klar und riecht unglaublich gut.
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Die Einfahrt zur Forest University allerdings ist mit ihren 2.3m Breite zu eng für meinen Truck. Ich versuche, sie zu umfahren (ein echter Verwindungstest), aber vorbeikommende einheimische Fahrradfahrer meinen, es gäbe eine zweite Zufahrt, also verzichte ich auf die Offroad-Einlage und benutze die Straße.
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Ich habe reiche Ernte eingefahren, das Motorrad ist unter dem Buschwerk fast nicht mehr zu finden. Leider haben die Motorrad-Rückspiegel das nicht ausgehalten und liegen jetzt irgendwo im Wald...
Die Menschen im Dorf bestaunen uns wie Außerirdische. So etwas haben sie noch nicht gesehen.
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24.11.2008 Usambara Mountains, Mazumbai Forest Reserve - Moshi
Über kleine Bergstraßen geht es zurück 'in die Zivilisation'. Daß die Straße nach Safi führt, wissen wir aus Aussagen von Peter, der uns freundlicherweise eine Skizze gemalt hat. Das Sträßlein ist in keiner Karte verzeichent, selbst Tracks4Africa muß da passen. Überall wird gestaunt, gewunken und gelacht, Kinder kommen in Scharen an die Straße gerannt, so macht Reisen richtig Spaß!
In Moshi finden wir Quartier im 'Honey Badger', die resolute 'Mama' hat ihre eigenen, sehr konkreten Vorstellungen, wie ich meinen Truck zu parken habe, ich tue ihr den Gefallen, auch wenn wir die einzigen Gäste auf dem Campground sind und ich so etwa dreimal so viel Platz belege wie vorher...
Wir treffen Brigitte und Roland, die Carmen und Fabian schon auf der Strecke Moyale - Marsabit und ich im JJ's in Nairobi gesehen haben. Beim (guten) Abendessen zusammen weiß Roland jede Menge über Afrika zu erzählen. Ich kann seine Meinung allerdings in vielen Punkten nicht teilen. So ist mir z.B. die Bevölkerungsdichte, die für ihn ein wichtiges Kriterium ist, völlig egal, vielleicht weil ich in meinem Truck nicht so davon betroffen bin. Auch sonst höre ich wenig freudvolles aus ihren jahrzehntelangen Erfahrungen, da wünsch ich mir schon, daß ich auch nach vielen Jahren des Reisens meine positive Grundeinstellung Menschen, Land und Natur gegenüber weiter halten kann.

25.11.2008 Moshi - Arusha
Früh am Morgen wird uns die (computerausgedruckte) Rechnung überbracht. Aus den vereinbarten 8 USD p.P. für das Abendessen sind 10 geworden, die Portion Pommes Frites, die wir gestern als Zwischengang genossen haben, schlagen mit 5 USD pro Portion zu Buche. Nur die Übernachtung bleibt mit 5 USD p.P. beim vereinbarten Preis. Mir geht der Hut hoch. Der (arrogante) Typ, mit dem ich schließlich verhandle, erzählt mir afrikanische Geschichten. Der Staat nimmt ihnen so viel Geld ab, da bleibt ihnen eh nichts mehr. Mir kommt gleich das Weinen. Damit bin ich nur ganz schwer zu beeindrucken. Zähe Verhandlungen drücken dann das Entgelt fürs Abendessen auf die vereinbarten 8 USD, nur bei den Pommes bleibt er hart. Die teuersten Pommes auf dem ganzen Trip. Nicht die schlechtesten, aber der Preis ist einfach absurd. Die Erfahrung aus der Geschichte: IMMER erst fragen, selbst bei den unbedeutendsten Dingen und so sich NIE hinterher ärgern müssen...
Ich mag Moshi nicht. 'I have Money' scheint mir aufs Hirn gedruckt zu sein. 'He gives me his Money', der einzige Gedanke, der die zahllosen Jungs beherrscht, die durch die Straßen streunen. Nicht nur das, die Buben sind auch noch arrogant, daß mir nichts mehr dazu einfällt. Als Fabian eine Gruppe bereits deutlich alkoholisierter biertrinkender Freaks fragt, ob er ein Foto von ihnen machen darf, wollen sie glatt 50 USD. Versaufen das Geld der Touristen, die sie ausnehmen konnten, finden sich im Alkoholnebel allen anderen überlegen und tun dies äußerst aggressiv kund. Nein Danke.
In Arusha finden wir Unterschlupf im Masai Camp und gönnen uns einen Tag Auszeit. Die Preise sind moderat, die Vorauskasse beim Essen mal wieder so eine Eigenart, die ich nicht leiden kann, aber was solls. Es gibt keine Tischnummern im Restaurant, auf unserer Order steht 'long hair', als wir unsere (ausgezeichnete) Pizza bestellen. Das läßt mich schmunzeln.
Am zweiten Abend fallen Overlander ins Camp ein. Es wird laut, aber ein Aushang an der Rezeption warnt für solche Fälle vor. Es gib eine akrobatische Vorstellung am Abend, in der zebrastreifen-bekleidete Jungs auf der Bühne ihre Kunststückchen vorführen. Nicht so wahnsinnig professionell, mit einem Zwinkern in den Augen, manches geht schief, aber es macht Spaß. Den Jungs und dem Publikum.

27.11.2008 Arusha - Lake Manyara
Von Sonja und Alex aus dem Beach Crab Resort haben wir für die Gegend um den Lake Manyara einen Tip bekommen. Im 'Paradise Camp' soll eine wunderschöne Campsite auf uns warten. Sie ist auch in Tracks4Africa als 'good and clean' verzeichnet. Wir finden sie trostlos und verlassen vor. Hier scheint schon lange keiner mehr gewesen zu sein. Aber nein! Da kommen ein paar Leute auf uns zugerannt. Ja, ja, hier ist die Campsite, wir können uns dort hinten hinstellen, da ist die 'Küche', dort die 'WC's'. Bar? Restaurant? Nein, leider nicht. Ein paar Meter weiter tut sich das Camp als Lodge mit Tents auf. Es gibt eine Bar / Restaurant im 1. Stock eines Hauses, mit wunderbarer Aussicht. Aber sie wird nicht bewirtschaftet. Eine seltsame Stimmung herrscht hier. Als sie dann 10 USD p.P. für den Taka-Taka-Platz wollen, reichts mir. Wir veschwinden.
Und kommen vom Regen in die Traufe. Eine Super-Edel-Luxus-Lodge ein paar Kilometer weiter ist so gar nicht auf Camper eingestellt. Wir sind nicht willkommen. Wir könnten eventuell ein Bier für 4 USD das Stück haben, aber 'the policy of the camp is no campers'. Will man uns nicht, mag ich sie auch nicht, und so verlassen wir die Hochnasenburg, ohne - trotz mächtigen Durstes - ihr überteuertes Bier getrunken zu haben.
Wir finden eine Campsite am Nordende des Sees kurz vor dem Gate in den Lake Manyara National Park, schaffen es, sie von 7 USD p.P. auf 5 USD herunterzuhandeln, essen halbwegs vernünftig zu Abend, lassen es uns vor meinem Truck bei Musik und Bier gut gehen, werden dann aber um 6 Uhr morgens unsanft geweckt, weil die Küchenjungs da ihre Arbeit beginnen und sich dabei lauthals unterhalten müssen.
Insgesamt eine Region, in der sich alles auf Tourismus konzentriert, dabei aber das Geld-aus-der-Tasche ziehen bei weitem wichtiger ist als vernünftige Dienstleistung. Hinter fast jedem Grinsen steckt die Hoffnung auf Geld, man weiß und gibt sich schlauer als der Tourist und, so scheint es mir, je näher man den touristischen Glanzlichtern kommt, desto weniger mag man sich hier selber. Traurig.

28.11.2008 Lake Manyara - Lake Chala
Wir fahren an den Lake Chala und finden unser Paradies. 100m über dem Kratersee an einer steilen Klippe sitzend, verschlägt es mir die Sprache, so wunderschön ist es. Auf dem Gelände einer Lodge, die seit Jahren im Bau sein soll (tatsächlich ist der Bau offensichtlich eingestellt, alles im Verfall begriffen) finden wir unterhalb der Bauruinen den Platz.
Ich koche Spaghetti Scampi mit Wunder-Aioli und wir genießen die Ruhe und den sensationellen Blick. Eine Gegend wie aus dem Bilderbuch. Und die Leute, die wir auf den Pisten dorthin treffen, endlich, endlich wieder neugierig und froh und lachend und winkend. Wir sind willkommen als Menschen. Zu Hause.
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29.11.2008 Lake Chala
In der Nacht schüttet es wie aus Kübeln. Die vermutlich schlammigen Pisten zurück sehen wir uns dann morgen an. Weil meine Staubox beim schiefstehenden Truck mit Wasser vollgelaufen ist, sortiere und trockne ich heute die Luftdruck-Teile-Ersatzkiste und lasse mir sonst die Sonne auf den Pelz scheinen.
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30.11.2008 Lake Chala - Hatari Lodge / Kilimanjaro Umrundung
Die Piste ist schlammig. Immer wieder sinkt Maxl 20-30cm tief ein. Ohne Längssperre geht manchmal nichts mehr. Dazu ist die Piste glitschig, ich muß höllisch aufpassen, daß ich nicht in die tiefen Gräben links und rechts des Weges rutsche...
Wir haben uns für heute die Umrundung des Kilimanjaro vorgenommen. 'Das geht nicht, das wüsste ich' hat uns vor kurzem Roland (s.o.) verkündet. Jetzt wollen wir's wissen. Beruhigend, daß 'Tracks4Africa' durchaus eine 'Offroad'-Piste ausweist und genauso gut zu wissen, daß Annabelle und Walther, die wir im JJ's getroffen haben, den Kili schon per Fahrrad umrundet haben. So ganz unmöglich scheint's also doch nicht zu sein...
Wir kommen gut voran. Durch dichte Vegetation, intensiv bewirtschaftete Felder, zahllose Dörfer mit staunenden Menschen am Weg führt uns das Sträßchen an den Hängen des Kili entlang, bis wir von einem hängengebliebenen Lkw gestoppt werden. Er hat sich in einer Baustelle im weichen Schlamm festgefahren und wir müssen warten, bis ein Caterpillar die Situation klärt. Es ist schon abenteuerlich, mit welchen Fahrzeugen man sich hier in den Schlamm traut - und meist auch durchkommt!
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An der Nord-Ost-Flanke wird die Piste gar zur Asphaltstraße, die direkt an der kenianischen Grenze entlang quer durch ein Wald-Reservat führt. Die Grenzpfosten links wie rechts der Straße verwirren ein bißchen, aber man gewöhnt sich daran.
Leider versteckt sich der Gipfel hartnäckig in Wolken. Immer wieder regnet es; die Sicht ist leider recht mäßig.
In Richtung Arusha Nationalpark wird die Piste schlechter und schlechter. Eigentlich sollten wir längst eine Abzweigung genommen haben, die aber nicht auftaucht. Tracks4Africa schweigt sich völlig aus, die Garmin-Worldmap zeigt eine Straße, die es nicht gibt und auf die Reise-Know-How-Karte kann man in solchen Situationen eh nicht zählen. Wir fragen uns durch und werden eine kaum erkennbare Piste entlang weiterdirigiert. Wir wollen nach Westen, aber die Piste führt zunächst nach NW und schließlich direkt nach Norden. Fabian ist mit seinem Toyota über alle Berge und mir reichts. Ich bin 10km Luftlinie von unserem Tagesziel, der Hatari Lodge, entfernt, und beschließe, diese querfeldein anzusteuern. Quer durch Kuhherden, über Stock und Stein und durchaus den einen oder anderen Busch geht es direttissima meinem Ziel entgegen. Ein Heidenspaß!
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Ich stoße auf eine furchtbar schlechte Piste, die aber in meine Richtung führt, folge ihr im Schneckentempo und finde mich schließlich auf der Piste zur Hatari Lodge wieder. Fabian hat inzwischen in einem großen Bogen die Hatari-Lodge erreicht und erwartet mich mit kaltem Bier auf der Veranda. Wir werden mit einem spektakulären Ausblick belohnt.
Leider sind wir als Camper in der Lodge nicht wirklich willkommen. Man ist auf zahlungswilligeres Publikum eingestellt (Die Zimmerpreise liegen jenseits der 500USD Marke für das DZ!). Selbst als wir uns für das (immerhin preisgünstige und wirklich perfekte) Abendessen entschließen, will man uns außer Sichtweite haben. Ich versteh's nicht, aber das deutsche Management wird wohl seine Gründe haben...

1.12.2008 Hatari Lodge - Namanga
Ich komme nicht weit. Nach ein paar Kilometeren rumpelt es hinten rechts kräftig. Im Spiegel sehe ich das Malheur. Ich habe meinen ersten Platten. Nicht den ersten in meinem Leben (den hatte ich vor etwa 25 Jahren mit meinem damaligen 407D Wohnmobil), aber den ersten mit Maxl. Ich hatte die 16.00 Reifen schon fast für unverwundbar gehalten, jetzt holt mich die Realität ein. Wir versuchen noch, den Reifen wieder aufzupumpen, aber er bläst die Luft durch das Loch in der Lauffläche schneller wieder ab, als wir befüllen können. Es nutzt alles nichts, wir müssen den Reifen wechseln.
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Obwohl wir zu zweit arbeiten (und uns Masai's mit vollem Einsatz unterstützen wollen), brauchen wir etliche Stunden. Zum einen reicht selbst ein zweistufiger Hydraulik-Wagenheber nicht, um einen völlig platten 16.00 Reifen so weit anzuheben, daß ein neuer Reifen montiert werden kann, zum anderen ist ein Reifenwechsel auf unebener Piste etwas ganz anderes als die Trockenübung auf Beton, die ich hinter mir habe.
Die (bis zu 10) Masais, die uns unentwegt anglotzen, reagieren allergisch, wenn wir Fotos machen, wollen gar Geld - 30 USD verlangen sie. Ich fordere im Gegenzug Geld für das 'Mzungu-Watching' - 100 USD. Also bekomme ich noch 70 USD von ihnen. Da staunen sie, die Schlauberger.
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Eine ganze Reihe von Gründen veranlaßt uns, zurück nach Nairobi zu fahren. Ich habe eine Zahnfüllung verloren - bevor ich mich in entlegene Gebiete aufmache, sollte ich das vermutlich beheben lassen, das Führerhaus zeigt Risse, die ich schweißen lassen will, der Reifen muß repariert werden und mein Tansania-Visum läuft aus.
Ein paar nicht so ganz für Trucks ausgelegte Flußdurchquerungen wollen gemeistert werden, aber ansonsten ist die Straße Richtung Kenia ganz passabel und auch die Grenzabfertigung läuft zügig und ohne Erpressungsversuche ab. Nur ein paar Buben, die unbedingt Geschäfte machen wollen und unerträglich aufdringliche Masai-Weiber nerven ein bißchen.
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In Namanga finden wir im traumhaften Garten des ruhigen und preiswerten Hotels 'River Lodge' Unterschlupf. Morgen wollen wir weiter in den Amboseli Nationalpark in Kenia.

Afrika! - Tansania II

22.1.2009 Nyakahuru - Tabora
Am Roadblock in Nyakahuru werden wir gestoppt. Wir dürfen nachts nicht weiterfahren - es ist ein großer Wald zu durchqueren und das ist wegen der Banditen in der Gegend nicht ganz ungefährlich. Wir fügen uns und campen direkt vor der Polizeistation. In einem einfachen Restaurant bekommen wir eine Kleinigkeit zu essen und kaltes Bier und versacken schließlich mit den Barmädels. Es wird ein sehr lustiger Abend.
Bis Malawi haben wir etwa 1.500km vor uns, die Hälfte davon schlimme Piste (Tracks4Africa meint dazu nur 'not recommended'). Bis 100km vor Tabora geht es zügig voran, die Teerstraße ist in perfektem Zustand, die restlichen Kilometer nach Tabora sind erträglich, mal besser, mal schlimmer, aber in 2,5 Stunden ist auch das erledigt. Dann sind es nur noch 600km Alptraumpiste - wir werden sehen.
Wir quartieren uns im 'Tabora Orion Hotel' ein, ein Gebäude im Kolonialstil, das für den Deutschen Kaiser gebaut wurde und jetzt von einem unglaublich netten Pakistani geführt wird. Er ist völlig autovernarrt und da kommen wir ihm mit unserem Equipment gerade recht. Er fachsimpelt mit Fabian bis tief in die Nacht, hat viel zu erzählen. Er hat in England studiert, einen Caterpillar nach Tansania gebracht, für Goldminen gearbeitet und damit sein Geld gemacht, um schließlich das Hotel zu kaufen und instand zu setzen. Jetzt beschätigt er 120 Angestellte und nennt den Ministerpräsidenten seinen Freund. Am Abend spielt eine lokale Band super-coole Musik bis in die frühen Morgenstunden. Wir bleiben einen weiteren Tag.

24.1.2009 Tabora - bei Kitunda
Die Piste ist gar nicht so schlimm wie befürchtet. Über weite Strecken sandig, da fährt es sich super-weich und sanft. Die Landschaft ist einfach atemberaubend - unglaublich schön, weit, einsam, still.
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Nach knapp 250km (bei einem Schnitt von etwas über 30km/h) suchen wir uns ein Plätzchen im Busch, machen Feuer, ich koche Spaghetti Aglio Olio und wir genießen die völlige Stille bei einem Gläschen Rotwein.
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25.1.2009 bei Kitunda - bei Makongolosi
In der Nacht schüttet es wie aus Kübeln. Ein richtiger Sturzregen, der gar nicht aufhören mag. Dementsprechend sieht die Piste am nächsten Tag denn auch aus. Zunächts macht es noch einen Heidenspaß, durch die Pfützen zu heizen, aber dann ist schnell Schluß mit lustig.
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Die Piste ist aufgerissen, Instandsetzungsarbeiten im Gange. Ein Bus hat versucht, die Stelle zu umfahren und steckt jetzt im Schlamm. Alles wurde ausgeladen, ein Lkw steht bereit, die Sachen abzutransportieren, ein paar Jungs schrauben am Bus herum - offensichtlich fehlt es da weiter. Wir prüfen zu Fuß den Untergrund - weich, sehr weich. Wir sind mitten im Sumpf. Aber es nutzt nichts. Entweder wir müssen warten, bis die Instandsetzungsarbeiten soweit abgeschlossen sind, daß wir darüber fahren können - oder wir riskieren es. Ich lasse die Luft bis auf unter 1 Bar ab und taste mich langsam, langsam voran. Der Boden hält. Ich verliere Traktion, aber dank aller Sperren kämpft sich Maxl unbeirrbar durch. Fabian nimmt die Umfahrung mit Schwung und landet auch sicher wieder auf der Piste. Wie mag das hier während der Regenzeit aussehen?
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Es kommt aber noch deutlich schlimmer. Auf etwa 200m Länge ist der Red-Cotton-Soil völlig aufgeweicht, tiefe Löcher und Spurrillen zeugen vom Kampf, den hier andere vor uns ausgetragen haben. Mit allen verfügbaren Sperren wage ich mein Glück im kleinen Gang. Gut, daß ich mich dafür entschieden habe, mit den rechten Rädern in einer der Spurrillen zu fahren. Ich stehe ein, zweimal quer, schaffe es aber wieder zurück auf die Piste. Das Herz schlägt mir bis zum Hals - wenn ich hier versacke, ist für einige Zeit Schluß. Der nächste Caterpillar steht 250km weit weg. Fabian hat weniger Glück - er rutscht von der Straße, schafft es aber, rückwärts wieder herauszukommen. Ohne seine Sperren wäre auch er verloren. Ich gehe die Strecke zu Fuß noch einmal ab und schaffe es auf dem glitschigen Boden kaum, mich auf den Beinen zu halten. Ein Wahnsinn!
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Nach den Wasserdurchfahrten leuchtet meine Ladekontrolleuchte. Meine Sperren sind weg, sie werden elektro-pneumatisch betätigt. Auch das Untersetzungsgetriebe läßt sich nicht mehr aktivieren. Die EDC (Electronic Diesel Control, also das Motor-Steuergerät) mag auch nicht mehr, immerhin läßt sich der Motor noch starten und ich kann weiterfahren, wenn auch ohne Sperren, was in diesem Desaster nicht so glücklich ist. Die Fehlersuche liefert eine Sicherung als Schuldigen, aber sie fliegt immer wieder heraus - zunächst muß ich wohl warten, bis die Aggregate abgetrocknet sind. Daß mir aber während einer Wasserdurchfahrt die Sperren ausfallen und - schlimmer noch - ohne Vorwarnung das Untersetzungsgetriebe auf 'Normal' schaltet, das darf nicht sein! Da muß ich wohl über den Schaltplänen brüten und auf Abhilfe sinnen...
Wenige Kilometer weiter steckt ein Bus fest. Die ärmsten stecken seit drei Tagen fest, die Batterien sind leer, bisher kam kein Fahrzeug vorbei, das sie hätte abschleppen können. Maxl erledigt das (trotz fehlender Sperren und Untersetzung) ratz-fatz und schleppt dabei quasi nebenher den Bus auch noch an. Die Besatzung ist überglücklich und bedankt sich überschwänglich.
Weitere Regenwolken ziehen auf - aber wir wissen jetzt, daß unser Equipment gar nicht so schlecht ist...
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Wir verbringen eine weitere Nacht im Busch. Nur ist es diesmal so naß, daß an ein Feuer nicht zu denken ist. Wir gehen früh zu Bett, morgen warten weitere 100km miese Piste auf uns.

26.1.2009 bei Makongolosi - Mbeya Und tatsächlich hats die Piste in sich. Wellblech, Schlaglöcher, Felsen, spitze Reifen-Killer-Steine, matschige Passagen - für jeden Geschmack ist etwas dabei. Mein Schnitt sinkt auf unter 20km/h - aber uns hetzt ja nichts.
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Über den höchsten Paß Tansanias (immerhin ca. 2450m) geht es in Richtung Mbeya, wo wir unsere letzte Nacht in Tansania verbringen, bevor wir morgen Richtung Malawi aufbrechen.

created: 2008/11/08 by Thomas Waas
last changed: $Date: 2010/04/14 11:57:55 $ by $Author: thomaswaas $